Polen: Warnung vor Zwangskonvertierung von Krediten

Nach Ungarn und Kroatien plant auch Polen, die Banken zur Konvertierung von Fremdwährungskrediten zu zwingen. Doch nun gibt es eine gute Nachricht für Raiffeisen, die durch die polnische Tochterbank Polbank von einem solchen Schritt stark belastet werden würde. Denn die polnische Zentralbank warnt vor einem solchen Schritt und den möglichen negativen Folgen.

Polens Wirtschaft drohen nach Einschätzung der heimischen Notenbank erhebliche Rückschläge bei einem gesetzlichen Zwangsumtausch von Franken-Krediten in Zloty. Seitdem der Franken nicht mehr an den Euro gebunden ist, gewann die Schweizer Währung als sicherer Hafen massiv an Wert.

Das belastet all jene, die Fremdwährungskredite in Franken haben - darunter zahlreiche Häuslbauer. Ungarn und auch Kroatien verpflichteten die Banken dazu, diese Franken-Kredite zu günstigen Konditionen in die Landeswährung zu konvertieren - auf Kosten der Banken.

Zehn Mrd. Kosten für Banken

Die Umsetzung solcher Pläne würde die Banken mit umgerechnet bis zu 9,9 Mrd. Euro belasten, teilte die Zentralbank nun in Warschau mit. Die Raiffeisen-Tochter Polbank hat rund drei Milliarden an Hypothekarkrediten in den Büchern stehen. Rund 70 Prozent des Bankensektors könnten dann in die roten Zahlen rutschen.

Die Notenbank sieht damit die Stabilität der Geldinstitute in Gefahr. Auch könnte eine massenhafte Umwandlung dieser Kredite zu einer Abwertung der Währung führen, warnte die Notenbank. Ratingagenturen könnten ihre Bonitätsnoten für Polen senken. Die Agentur S&P hat das bereits getan, Fitch hat damit gedroht.

Schelling drückte „Missfallen“ aus

Auch die Finanzmarktaufsicht KMF prüft derzeit den Plan von Staatspräsident Andrzey Duda, der die Bürger damit entlasten will. Zuvor war eine Gesetzesinitiatve der im Herbst abgewählten Vorgängerregierung im Sande verlaufen.

Wie ein Sprecher gegenüber ORF.at bestätigte, sprach Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling die für den heimischen Bankensektor heikle Angelegenheit im Rahmen des Treffens der EU-Finanzminister im vergangenen Herbst an und drückte „sein Missfallen“ aus. Da der alte Vorschlag der Vorgängerregierung mittlerweile nicht mehr im Parlament ist, sei es derzeit aber kein Thema.

144 Milliarden Zloty

In den Jahren 2007 und 2008 hatten rund 500.000 Polen Hypotheken in der Schweizer Währung aufgenommen, da dafür deutlich geringere Zinsen fällig wurden. Inzwischen ist der Franken zum Zloty aber um gut 80 Prozent nach oben geschnellt - die Schuldenlast der Hausbauer stieg dadurch massiv an. In den Büchern polnischer Banken liegen Franken-Kredite im Gegenwert von 144 Mrd. Zloty (32,3 Mrd. Euro).