Verein macht gegen Gewalt an Flüchtlingsfrauen mobil

Frauen, die aus ihrer Heimat flüchten, sind besonders häufig mit Gewalt konfrontiert - auch in Zielländern wie Österreich. „Auf ihren Fluchtwegen und in den Unterbringungseinrichtungen muss ihnen besonderer Schutz gewährt werden“, sagte Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments (Grüne) bei einer Pressekonferenz des Vereins „One Billion Rising Austria“ (OBRA) heute in Wien.

Die Istanbul-Konvention, die von Österreich ratifiziert wurde und die Vertragsländer unter anderem dazu auffordert, Gesetze zu schaffen, um Migrantinnen und Asylwerberinnen vor Gewalt zu schützen, ist laut Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF), hierzulande zu wenig bekannt.

Unterschiedliche Gesetze in Bundesländern

„Laut der Konvention haben alle Frauen das gleiche Recht auf Schutz und Sicherheit. In der Realität ist das aber leider immer noch nicht der Fall“, sagte sie. Problematisch seien beispielsweise unterschiedliche Gesetzgebungen in den Bundesländern. „Frauenhäuser dürfen nur in Salzburg und in Tirol Asylwerberinnen aufnehmen. In den anderen Bundesländern ist das nur für einen kurzen Zeitraum oder gar nicht möglich“, sagte sie.

Um asylsuchende Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen, fordert Rösslhumer unter anderem die Schulung und Sensibilisierung von Mitarbeitern in Erstaufnahmezentren und Flüchtlingsunterkünften. Besonders verstärkten fehlende Rückzugsräume und mangelhafte Sanitäreinrichtungen die Gefahr, Opfer sexueller Übergriffe zu werden.

„Wenn Flüchtlingsfrauen von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist es außerdem wichtig, dass sie ein eigenes Asylverfahren bekommen und dieses nicht an das Verfahren des Ehemannes gekoppelt wird“, betonte sie. Sonja Ablinger, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings, übte Kritik an der fehlenden Verankerung von geschlechtsspezifischen Fluchtgründen (beispielsweise Verfolgung wegen Homosexualität oder Genitalverstümmelung) in der österreichischen Gesetzgebung.