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Abgrenzung schwierig

In einer großangelegten Studie hat Global 2000 Kosmetikprodukte aus Reformhäusern, Biogeschäften und Regalen mit Naturkosmetik unter die Lupe genommen. In einigen Produkten wurden bedenkliche Stoffe gefunden, ein paar enthielten sogar verbotene Substanzen, so Global 2000. Die Mehrheit der Produkte wurde allerdings nicht beanstandet.

Ingesamt 60 Marken identifizierte Global 2000 als Naturkosmetik, sie hatten entsprechende Labels sowie Herstellerangaben auf dem Produkt oder der Website. Die davon getesteten 317 Produkte enthielten keinerlei hormonell wirksame Inhaltstoffe oder andere synthetische Konservierungsmittel, Duft- oder Farbstoffe, so die Tester. 82 Prozent der Produkte hatten eines oder mehrere Naturkosmetiklabel.

Allerdings gebe es auch einige Trittbrettfahrer, so die Organisation, denn der Begriff Naturkosmetik ist nicht gesetzlich definiert, und es gibt auch kein einheitlich geschütztes Label in der EU wie etwa für Lebensmittel. Manche Marken und Hersteller würden das ausnützen und versuchen, ihre Produkte mit entsprechenden Bezeichnungen wie „natürlicher Wirkstoff“ oder „handgemacht“ in die Nähe von natürlicher und biologischer Kosmetik zu rücken.

Verbotene Stoffe bei Dr. Grandel und Rausch

Besonders kritisch sieht Global 2000 die Marken Dr. Grandel und Rausch. Diese wurden in einer Umfrage der Organisation zu 64 bzw. 43 Prozent als Naturkosmetik klassifiziert, enthielten aber laut Tests umstrittene sowie in der EU bereits verbotene Stoffe.

Zwei Kosmetikprodukte der Marke Dr. Grandel für die Haare etwa enthielten das verbotene Isobutylparaben, ein Rausch-Produkt zusätzlich das verbotene Isopropylparaben. Diese Inhaltsstoffe seien auch in der konventionellen Kosmetik umstritten. Global 2000 informierte laut eigenen Angaben das Gesundheitsministerium und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Kritik an fehlender Abgrenzung

Gegenüber help.ORF.at hieß es vom Hersteller Rausch, dass die genannten Stoffe seit Oktober 2014 nicht mehr verwendet würden. Wegen der langen Haltbarkeit der Produkte könne es aber sein, dass vereinzelt noch ältere Produkte, die diese Stoffe enthalten, im Handel erhältlich seien. Auch Dr. Grandel sagte, Isobutylparaben sei seit 2014 nicht mehr in Verwendung, von dem beanstandeten Produkt, einer Pflegecreme für Männer, könnten „vereinzelt“ noch ältere Packungen im Handel sein - mehr dazu in help.ORF.at.

Beide Marken fanden die Tester in Reformhäusern und Regalen für Naturkosmetik, Rausch trägt auch die Bezeichnung „Herbal“ für Kräuter im Markennamen. Die Tester kritisierten, dass auch in den Verkaufsregalen gerade von Reformhäusern oftmals keine Abgrenzung zwischen Naturkosmetik und konventionellen Produkten gemacht wird.

Der Trick mit der „Pflanzenkosmetik“

Nicht zur Kategorie Naturkosmetik zählen laut Global 2000 auch Produkte der Marken Lush, Bodyshop, Yves Rocher und L’Occitane sowie Dr. Grandel und Rausch. Lush etwa nehme für sich in Anspruch, mit „frischem Obst, Gemüse und ätherischen Ölen“ und keinen bis „sehr wenigen“ Konservierungsstoffen zu arbeiten, so die Tester, dennoch seien in allen Stichproben Konservierungsmittel aus der Gruppe der umstrittenen weil hormonell wirksamen Parabene gefunden worden.

In mehr als der Hälfte der Proben der Produkte von Bodyshop und Yves Rocher fanden sich in Stichproben der Tester ebenfalls hormonell wirksame Parabene und/oder hormonell wirksame UV-Filter. Rund ein Viertel der 552 von Global 2000 Befragten rechnen diese Marken zur Kategorie Naturkosmetik, zum Teil versehen die Hersteller ihre Produkte mit dem Attribut biologisch oder bezeichnen sie als „Pflanzenkosmetik“. Dem selbst gesetzten Naturkosmetikstandard entsprechen laut Global 2000 auch nicht Produkte der Marken Ahava, Barbor, Biosline, Bronnley, Korres, L’Erbolario Lodi, Locherber, Origins und Stenders.

Eigenmarken großer Ketten können punkten

Doch es gibt auch Hunderte Produkte, die den Naturkosmetikcheck bestanden haben, darunter auch Eigenmarken großer Supermarkt- und Drogerieketten wie Alverde (dm) und Bigood (REWE/Bipa). Zahlreiche Produkte von Marken wie Annemarie Börlind, Dr. Hauschka, Dr. Scheller, Kneipp, Lavera, Primavera, Ringana, Styx und Weleda können laut Global 2000 ebenfalls der Naturkosmetik zugerechnet werden. Ebenso zähle die Marke Melvita des Herstellers L’Occitane im Gegensatz zu anderen Produkten des Herstellers als Naturkosmetik.

Verbindlicher Standard fehlt

Den höchsten Standard bietet laut Global 2000 das „Austria Bio-Garantie-Siegel“, die Bezeichnung „vegan“ oder „ohne Tierversuche“ bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es sich bei einem Produkt auch um Naturkosmetik handelt. Gerade kleinere Marken verzichten mitunter auf die kostenpflichtigen Labels und weisen entsprechende Informationen stattdessen auf ihrer Website aus. Insgesamt gibt es laut Global 2000 zwölf echte Naturkosmetiksiegel, die den Verzicht auf künstliche Konservierungsstoffe wie Parabene vorschreiben, so die Organisation, allerdings keinen gesetzlich geregelten Standard.

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