Brand in deutscher Asylunterkunft: Kritik an Schaulustigen

Mit unverhohlener Freude haben Schaulustige bei einem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im deutschen Bautzen zugesehen. Einige behinderten sogar die Löscharbeiten. Während des Brandes mitten in einem Wohngebiet versammelten sich in der Nacht auf heute nach Polizeiangaben schätzungsweise 20 bis 30 Menschen.

Teilweise seien die Schaulustigen angetrunken gewesen und hätten „abfällige Bemerkungen“ gemacht oder „unverhohlene Freude“ gezeigt, berichtete ein Polizeisprecher. Verletzt wurde bei dem Brand nach erstem Erkenntnisstand niemand.

Ausgebrannte Flüchtlingsunterkunft in Sachsen

APA/dpa/Christian Essler

Das Gebäude war zuletzt als Hotel genutzt worden und befand sich im Umbau. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Innenminister Markus Ulbig (beide CDU) verurteilten das Verhalten der Schaulustigen scharf.

„Das sind keine Menschen“

Tillich betonte auch mit Blick auf die fremdenfeindlichen Ereignisse am Donnerstagabend in Clausnitz, wo ein aufgebrachter Mob längere Zeit einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockierte, die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich.

„Das sind keine Menschen, die so was tun. Das sind Verbrecher“, sagte er am Sonntag den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Solche Taten besudelten „das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens“.

Ermittlungen aufgenommen

Ulbig sagte der dpa: „Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten.“ Es sei „unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird“, fügte er hinzu.

Auch wenn die Brandursache noch nicht feststehe, habe das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei die Ermittlungen übernommen, weil ein fremdenfeindlicher Anschlag nicht ausgeschlossen werden könne.