Jubel für Handke und Peymann an der Burg

Mit tosendem Applaus ist die Uraufführung von Peter Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ Samstag Abend zu Ende gegangen. Es ist Claus Peymanns fünfte Handke-Inszenierung am Burgtheater - die gemeinsame Geschichte der beiden reicht mittlerweile 50 Jahre zurück.

Ein Konflikt zwischen dem Einzelnen und der Masse spielt sich auf Handkes titelgebender Landstraße ab. Das „Ich“, das fließend zwischen erzählerischer und dramatischer Persona wechselt, verteidigt seinen Weg gegen das Kollektiv der „Unschuldigen“. Das „Schauspiel in vier Jahreszeiten“ ist gleichermaßen Herausforderung an Regie, Darsteller und Publikum.

Blitz und Donner auf der Bühne

Christopher Nell, der Peymanns Berliner Ensemble angehört, spielt die gespaltene Rolle des „Ich“ mit einer Portion Witz, Leichtfüßigkeit und viel Charme - damit schafft er es, die schwere Vorlage deutlich aufzulockern. Das gelingt vor allem im Zusammenspiel mit Häuptling (Martin Schwab) und Häuptlingsfrau (Maria Happel) der Unschuldigen. Auch Regina Fritsch als „Unbekannte“ überzeugte am Premierenabend als Verkörperung des Geheimnisvollen.

Schauspieler Christopher Nell auf der Bühne

Burgtheater/Georg Soulek

Die Landstraße, „der letzte freie Weg in der Welt“, zeigt sich zu Beginn in sterilem Weiß (Bühne: Karl-Ernst Herrmann), die einzelnen Jahreszeiten fügen der schrägen Ebene nach und nach Kontrast durch Witterung hinzu. Peymann stellt der minimalistischen Bühne zahlreiche Effekte gegenüber: Blitz, Donner und eine Explosion sorgen für Überraschung im Zuschauerraum.

Begeisterung ohne Skandale

Gleich mehrere vermeintliche Schlüsse werden vorzeitig beklatscht - als der Vorhang endgültig fällt, gibt es minutenlangen Applaus. Vor allem Nells „Ich“ begeisterte die Zuschauer - noch mehr Jubel gab es nur für Handke und Peymann, deren gemeinsame Rückkehr an das Burgtheater als Coup gewertet werden kann.

Den von manchen erwarteten Skandal gab es indes in München: Am dortigen Residenztheater wurde die bevorstehende Premiere von Handkes „Unschuldigen“ abgesagt. „Unüberbrückbare künstlerische Differenzen“ wurden als Grund genannt - Philipp Preuss, der erst im Jänner am Volkstheater mit seiner „Romeo und Julia“-Inszenierung das Publikum spaltete, hätte Regie führen sollen. (bock, ORF.at)