ÖVP-Mandatar hält Merkel Kinderlosigkeit vor

Im sich zuspitzenden Zwist zwischen Deutschland und Österreich hat sich der ÖVP-Abgeordnete Marcus Franz mit einer provokanten „Theorie“ zu Wort gemeldet. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hole deswegen so viele Flüchtlinge ins Land, weil sie damit ihre Kinderlosigkeit „wiedergutmachen“ wolle, schreibt er in einem aktuellen Blogeintrag.

Franz schrieb in dem auf der Plattform fisch+fleisch veröffentlichten Beitrag, einen möglichen „ganz simplen tiefenpsychologischen Hintergrund“ der Flüchtlingspolitik Merkels zu beleuchten. Er verweist auf die Kinderlosigkeit der deutschen Kanzlerin, wo doch „für das Fortbestehen einer Gesellschaft 2,1 Kinder pro Frau notwendig“ seien. „Die Theorie lautet: Frau Merkel will als die metaphorische ‚Mutti‘ des Staates das negative Faktum der nicht vorhandenen oder zu wenigen eigenen Kinder mit der Einbringung vieler, vieler junger Migranten wiedergutmachen“.

„Unnötiger Beitrag“

Die SPÖ reagierte empört. Die Aussagen seien „zutiefst sexistisch“, so Frauensprecherin Gisela Wurm in einer Aussendung. „Frauen, die - aus welchen Gründen auch immer - keine Kinder haben, haben in den Augen des ÖVP-Abgeordneten offenbar einen Mangel und ein Defizit, das sie ‚wiedergutmachen‘ müssen.“ Wurm sowie ihre Fraktionskollegin Katharina Kucharowits sehen ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka gefordert - „eine Entschuldigung ist das Mindeste“.

„Es ist ein unrichtiger und unnötiger Beitrag des Abgeordneten“, hieß es APA-Angaben zufolge aus dem ÖVP-Klub, der sich damit von den jüngst publizierten Aussagen von Franz distanzierte. Auch Lopatka selbst entschuldigte sich heute für die Aussagen Franz’ - und zwar beim Vorsitzenden des EU-Ausschusses des deutschen Bundestags Gunther Krichbaum, der heute in Wien war. Bei dieser Gelegenheit habe er die Entschuldigung ausgesprochen, teilte Lopatka per Twitter mit.

„Die kruden Gedankenspiele des ÖVP-Abgeordneten Franz zeugen von einer frauenfeindlichen Haltung, die ihresgleichen sucht“, hieß es unterdessen in einer Aussendung der Grünen.

Franz wechselte erst vergangenes Jahr vom Team Stronach in den schwarzen Klub. Äußerungen von ihm sorgten immer wieder für breite Empörung - etwa, als er in der Debatte über die Strafbarkeit von sexueller Belästigung das sogenannte „Pograpschen“ als zulässiges Anbahnungsinstrument für ernsthafte Beziehungen verteidigt hatte. Freiwillige Kinderlosigkeit hatte der Internist 2013 nach seiner Wahl in den Nationalrat als „amoralisch“ bezeichnet.