Sudanesischer Islamistenführer gestorben

Der sudanesische Islamistenführer Hassan Abdallah al-Turabi ist gestern im Alter von 84 Jahren gestorben. Der Oppositionspolitiker gehörte den fundamentalistischen Muslimbrüdern an und übte enormen Einfluss auf islamische Gruppen im ostafrikanischen Sudan aus. Turabi starb nach einem Herzinfarkt in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Khartum, wie ein Sprecher seiner Volkskongresspartei der dpa bestätigte.

Turabi war einer der Drahtzieher des Militärputsches von 1989, der Präsident Omar al-Baschir an die Macht gebracht hatte. Lange Zeit galt er als Graue Eminenz des Regimes. Eine Dekade später ging Turabi auf Distanz zum Präsidenten, der ihn und seine Unterstützer daraufhin aus der Regierung entließ.

Gesellschaftlicher Einfluss blieb

Präsident Baschir, der das ölreiche Land seit 1989 mit harter Hand regiert, wird wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Bürgerkriegsregion Darfur per Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht.

Turabi verlor seine staatliche Machtbasis, behielt aber großen gesellschaftlichen Einfluss. Er wurde mehrmals kurzzeitig unter dem Vorwurf des Landesverrats verhaftet und unter Hausarrest gestellt. In der Familie Turabis, der 1932 in Kassala im Osten des Sudans geboren wurde, herrscht eine lange Tradition des Sufismus, einer mystischen und spirituellen Richtung des Islam.