NGOs: Bisher schlimmstes Jahr des syrischen Bürgerkriegs

Die Situation der Bevölkerung in Syrien hat sich laut einem Bericht im vergangenen Jahr noch einmal dramatisch verschlechtert. Die Zahl der Hilfsbedürftigen, der Flüchtlinge und der Menschen in belagerten Städten und Gebieten sei deutlich gestiegen, schrieb ein internationaler Zusammenschluss von 30 Hilfsorganisationen.

Der heute veröffentlichte Bericht mit dem Titel „Fuelling the Fire“ erschien zum fünften Jahrestag des Syrien-Konflikts. Die Kriegsparteien hätten schlimmste Verwüstungen angerichtet, Nothilfe verhindert und ganze Städte von jeglicher Versorgung abgeschnitten, kritisierten die Organisationen, zu denen Oxfam, Care und Save the Children gehören. Sie warfen den vier UNO-Vetomächten Russland, USA, Frankreich und Großbritannien vor, durch ihre militärische Intervention und ihre Politik zur Verschärfung der Lage beigetragen zu haben.

Mindestens 50.000 Menschen getötet

Laut dem Bericht stieg die Gewalt stark, wozu auch die russischen Luftangriffe seit Ende September 2015 beigetragen hätten. Im ganzen Jahr seien in dem Konflikt mindestens 50.000 Menschen getötet worden. Zusätzliche 1,5 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen, während knapp eine Million Syrer hätten fliehen müssen. 200.000 Häuser seien ganz oder teilweise zerstört worden - ein Fünftel mehr als 2014.

Nach UNO-Angaben verdoppelte sich die Zahl derer, die in belagerten Orten und Gebieten lebten, auf fast 500.000, hieß es in dem Bericht. Nur 3,5 Prozent dieser Menschen konnten medizinisch versorgt werden, und nur ein Prozent hatte Zugang zu Nahrungsmitteln. Laut dem Bericht wurden zudem 112 Angriffe auf Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen gezählt - 44 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nur zehn Prozent der Hilfskonvois erreichen ihr Ziel

Weitere 400.000 Kinder in Syrien konnten laut den NGOs nicht mehr zur Schule gehen, womit die Gesamtzahl auf mehr als zwei Millionen gestiegen sei. Die Organisationen beklagten auch, dass nur zehn Prozent der Hilfskonvois die Frontlinien überqueren und ihr Ziel erreichen konnten. Obwohl einige belagerte Orte seit der Waffenruhe wieder zugänglich seien, würden Hilfsorganisationen weiter behindert.