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„Nicht von Menschen gemacht“

Im Kräftevergleich zwischen Mensch und Computer im Brettspiel Go hat die Google-Software AlphaGo zum dritten Mal den Spitzenspieler Lee Sedol besiegt. Das Programm sicherte sich damit am Samstag in Seoul vorzeitig den Gesamtsieg in dem Fünfspielematch.

Der Südkoreaner Lee geriet am Ende in Zeitnot und gab nach mehr als vier Stunden auf. Er entschuldigte sich im Anschluss bei seinen Fans, dass er die Erwartungen nicht erfüllt habe: „Ich war machtlos.“ Lee räumte ein, trotz seiner großen Erfahrung ob des Drucks, gegen die Maschine gewinnen zu wollen, unter Stress gestanden zu sein. „Aber die heutige Niederlage war eine von Lee Sedol, nicht der Menschheit“, sagte er.

Go-Spieler Lee Sedol blickt nachdenklich

APA/AP/Lee Jin-Man

Lee musste nach vier Stunden aufgeben

Experten zufolge ging die Software AlphaGo die dritte Runde aggressiv an und sicherte sich schnell Gebiete am unteren Rand des Spielfelds. Lee hielt zwar dagegen, doch am Ende konnte er sich keine Vorteile mehr verschaffen. AlphaGo habe ein sehr starkes Spiel gezeigt, sagte der Kommentator Michael Redmond bei YouTube. Bereits nach dem ersten Sieg der Software am Mittwoch hatte sich Lee „schockiert“ über einige überraschende Spielzüge der Software gezeigt.

Lee zeigte „mentale Schwäche“

Auch Beobachter sagten nach den ersten zwei Runden, manche Spielzüge seien „nicht von Menschen gemacht“. Der Computer habe bei dem Duell „durchgängig“ gut gespielt, kommentierte Lees früherer Trainer Kwon Kyp Yong am Samstag. Lees Schwäche sei wohl seine „mentale Schwäche“ gewesen, deswegen habe der Computer in dem Duell zunehmend „die Oberhand gewonnen“. Trotz der uneinholbaren Führung sollen die beiden ausstehenden Spiele am Sonntag und Dienstag noch durchgeführt werden.

Lee Se-Dol

APA/AFP

Lee Sedol war vor dem ersten Spiel noch zuversichtlich

Die Software AlphaGo wurde von der britischen Firma DeepMind entwickelt, die vor rund zwei Jahren von Google gekauft wurde. Mitgründer Demis Hassabis sagte in Seoul, er sei ob des dritten Siegs sprachlos. Dennoch sei die Software noch weit davon entfernt, perfekt zu sein: „Da ist noch Raum zur Verbesserung.“ Die Software hatte im Oktober bereits den europäischen Meister Fan Hui 5:0 besieht, Hui hatte später DeepMind geholfen, die Software weiterzuentwickeln und zu trainieren.

Komplexes Spiel mit simplen Regeln

Lee selbst hatte sich im Februar noch siegessicher gezeigt, kurz vor der ersten Partie dann aber gemeint, es sei unvermeidlich, dass Computer eines Tages die menschlichen Spieler besiegten. Seit ihm die Firma hinter AlphaGo die Software erklärt habe, denke er, dass Maschinen die „menschliche Intuition nachahmen können“, sagte Lee. Doch Computer könnten nicht die „Schönheit des Go“ verstehen. Diese werde weiterhin bestehen.

Menschen spielen Go

ORF.at/Lukas Krummholz

Go, eines der anspruchsvollsten Spiele der Welt

Für Computer ist das 2.500 Jahre alte Spiel durch die unzähligen Kombinationsmöglichkeiten besonders herausfordernd. Die Regeln sind simpel: Ziel für die beiden Spielerinnen ist es, durch geschicktes Platzieren der weißen und schwarzen Steine möglichst viele Felder auf dem Spielbrett mit 18 mal 18 Feldern zu besetzen. Doch bei einem durchschnittlich 150 Spielzüge dauernden Spiel gibt es laut „Nature“ zehn hoch 170 unterschiedliche Konfigurationen - das sind mehr als Atome im Universum.

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