Großdemonstrationen gegen Regierung in Brasilien

Über drei Millionen Menschen haben gestern in ganz Brasilien für eine Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff demonstriert. Nach Angaben der Polizei gab es in mindestens 160 Städten Protestkundgebungen.

Demonstrationen in Sao Paulo

APA/AFP/Nelson Almeida

Allein in Sao Paulo, einer Hochburg der Opposition, gingen laut Polizeiangaben 1,4 Millionen Menschen auf die Straße. „Fora Dilma“ („Dilma raus“) skandierten die Demonstranten. Erstmals seit Beginn der Proteste gegen Rousseff beteiligten sich die Oppositionsparteien aktiv an den Demonstrationen.

Tiefe Krise spaltet Land

Das Land ist in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise, hinzu kommt ein großer Korruptionsskandal. Allein gegen 57 Politiker wird mittlerweile ermittelt. Dabei geht es um Schmiergeldzahlungen an Politiker bei Auftragsvergaben des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras.

Rousseff ist bis Ende 2018 gewählt. Ihr wichtigster Koalitionspartner, die Partei PMDB, droht mittlerweile mit einem Ausscheiden aus der Regierung. Damit könnte die Politikerin der linken Arbeiterpartei im Kongress kaum noch etwas durchsetzen.

Die Zustimmungswerte der linksgerichteten Staatschefin liegen mittlerweile nur noch bei knapp zehn Prozent, für ihre Amtsenthebung sind laut Umfragen rund 60 Prozent der Brasilianer.