US-Militär: Russischer Truppenabzug aus Syrien begrenzt

Russland hat seinen angekündigten Truppenabzug aus Syrien nach US-Militärangaben bis gestern in einem nur sehr begrenzten Umfang vollzogen. „Wir haben keine bedeutsame Reduzierung ihrer Kampfstärke festgestellt“, sagte US-Oberst Steve Warren in einem Videostatement aus Bagdad. Die Kampfkraft der russischen Streitkräfte auf dem Boden sei unverändert, ihre Präsenz in der Luft sei „leicht zurückgefahren“ worden.

Russlands Präsident Wladmir Putin hatte am Montag überraschend angekündigt, den Großteil der russischen Truppen aus dem Bürgerkriegsland abzuziehen, weil sie ihre Aufgabe weitgehend erfüllt hätten. Eine erste Gruppe russischer Jets flog dann gestern ins Heimatland zurück, am Dienstag folgten weitere Maschinen.

Vorerst keine autonome Kurdenregion

Die wahren russischen Intentionen hinter der Rückzugsankündigung seien für die US-Streitkräfte und ihre internationalen Verbündeten in Syrien ein Rätsel, sagte Warren. US-Außenminister John Kerry will nächste Woche zu Gesprächen mit Putin und dessen Außenminister Sergej Lawrow nach Moskau reisen, um die Möglichkeiten für eine politische Lösung des Syrien-Konflikts auszuloten, wie er in Washington ankündigte.

Die von syrischen Kurden angekündigte Ausrufung einer autonomen Region im Norden wurde vorerst verschoben. Die Gründe dafür waren zunächst unklar, die Gespräche zwischen Vertretern aus der Region würden jedoch morgen fortgeführt, sagte ein Sprecher. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sprach von „logistischen Gründen“.

Syrien-Gespräche fortgesetzt

Unterdessen wurden die von der UNO moderierten Syrien-Gespräche in Genf in angespannter Atmosphäre fortgesetzt. Überraschend teilte eine von Russland unterstützte und von der syrischen Staatsführung tolerierte Oppositionsgruppe dabei mit, auch ihre Vertreter wollten mit dem UNO-Sondergesandten Staffan de Mistura verhandeln. Hauptstreitpunkt bei den Verhandlungen ist weiterhin das Schicksal des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.