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Reine Fruchtsäfte ausgenommen

Im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes hat Großbritanniens Regierung eine Steuer für Unternehmen angekündigt, die zuckerhältige Softdrinks herstellen oder importieren. Die Abgabe soll umgerechnet rund 660 Millionen Euro in die Staatskasse spülen. Die wiederum sollen in die Förderung von Sport in der Volksschule fließen.

Die neue Steuer soll zwei Stufen haben: eine für Getränke ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, eine für solche mit mehr als acht Gramm. Reine Fruchtsäfte, Getränke auf Milchbasis und sehr kleine Unternehmen sind ausgenommen. Eine Frist von zwei Jahren bis zum Inkrafttreten der Regelung gibt Unternehmen Zeit, den Zuckergehalt von Produkten zu senken.

Blitz aus heiterem Himmel

Er wolle nicht eines Tages zurückschauen und sagen müssen, man habe das Problem zuckerhältiger Getränke zwar gekannt, aber schwierige Entscheidungen gescheut, sagte Finanzminister George Osborne Mitte März in London. Hugh Pym, Gesundheitsjournalist der BBC, bezeichnete die Steuer als einen „Blitz aus heiterem Himmel“, vor allem da sich die britische Regierung im Herbst noch dezidiert gegen die Steuer gestellt hatte. Konservative Abgeordnete hatten von „staatlicher Bevormundung“ gesprochen.

Laut dem britischen Büro für Budgetverantwortung könnte die Maßnahme zu einer „ziemlich erheblichen Preiserhöhung“ bei Softdrinks führen. So sei etwa bei einer Zweiliterflasche No-Name-Cola eine Verteuerung von bis zu 80 Prozent möglich. In einer Dose Cola befinden sich ca. 35 Gramm Zucker, das sind rund sieben Teelöffel.

Jamie Oliver begeistert

Starkoch Jamie Oliver, der sich für Ernährungsunterricht und gesundes Schulessen starkmacht, lobte den Vorstoß der Regierung als „großartige Neuigkeiten“ und schrieb im Sozialen Netzwerk Instagram: „Ein bedeutender Vorstoß, der um die ganze Welt gegen wird.“ Oliver hatte im Parlament vor Abgeordneten für die Steuer geworben.

Getränke als „Adipositas-Bomben“

Erst kürzlich war eine Ende Jänner veröffentlichte britische Studie zu dem Schluss gekommen, dass die Reduktion des Zuckergehalts in Softdrinks um 40 Prozent innerhalb von fünf Jahren eine Million Fälle von Fettsucht (Adipositas) und 500.000 Fälle von Übergewicht in Großbritannien verhindern könnte. Gezuckerte Softdrinks und Fruchtsäfte seien wahre „Adipositas-Bomben“.

Die Wissenschaftler gingen von den Erfahrungen aus, die man in Großbritannien mit der Reduktion von Salz in vielen Nahrungsmitteln gemacht hat. Der Salzgehalt wurde innerhalb von fünf Jahren um 40 Prozent verringert. „Innerhalb von 20 Jahren würde das auch 274.000 bis 309.000 Typ-2-Diabetes-Erkrankungen verhindern“, stellten die Wissenschaftler fest.

Durchschnittlich 1,2 Kilo weniger

Sie berechneten den Effekt einer Zuckerreduktion bei Cola und anderen Getränken sowie bei Fruchtsäften um 40 Prozent auf die britische Bevölkerung mit derzeit rund 65 Millionen Einwohnern. "Eine Verringerung des diesen Softdrinks zugefügten freien Zuckers um 40 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren würde zu einer durchschnittlichen Reduktion der Energieaufnahme um 36,4 Kilokalorien pro Tag am Ende des fünften Jahres führen.

Das würde einer Verringerung des durchschnittlichen Körpergewichts um 1,2 Kilogramm bei Erwachsenen bedeuten", schrieben die Fachleute. Die Studie haben Graham Mac Gregor von der Queen Mary University in London und seine Koautoren in „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ publiziert.

Experten für graduelle Senkung

Laut den Fachleuten ist es mit dem Zucker ganz ähnlich wie beim Salz: Die Konsumenten tolerieren sehr gut eine langsame Senkung solcher Zusätze. „Die Wahrnehmung von Süße passt sich an eine graduelle Veränderung der Zuckeraufnahme an. Es ist unwahrscheinlich, dass eine solche Strategie das Verhalten der Konsumenten verändern würde, wenn man sie über fünf Jahre hinweg anwendet.“ Wissenschaftliche Studien zeigten auch, dass die Menschen die Kalorienreduktion kaum über andere Quellen ersetzten.

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