Experte sieht Österreich als „sekundäres Terrorziel“

Der Terrorismusexperte Nicolas Stockhammer erkennt eine klare Anschlagsgefahr in Österreich. „Dass etwas in Österreich passieren wird, halte ich für ziemlich wahrscheinlich“, sagte Stockhammer gestern in der ZIB 24. In Anbetracht des vergangenen Jahres sei Österreich zu einem „sekundären Terrorziel“ aufgestiegen.

Stockhammer zu Ermittlungen

Stockhammer sieht Hinweise, dass die Anschläge von Paris und Brüssel demselben Personenkreis zuzurechnen sind.

Österreich befinde sich nun hinsichtlich der Anschlagsbedrohung in einzelnen Ländern vergleichsweise in einem „Mittelfeld“. Das gibt laut dem Experten und sicherheitspolitischen Berater des Verteidigungsministeriums „Anlass zur Hoffnung, dass es nicht zu bald passieren wird“.

Langer Kampf gegen Terror in Europa

Europa werde sich auf einen mindestens 20-jährigen „langatmigen, brutalen Kampf“ gegen den Terror einstellen müssen, so Stockhammer. Die Prävention sei ein wesentliches Instrument. Für den Schutz der Zivilbevölkerung sei bisher „zu wenig getan“ worden, dieser müsse verstärkt werden. Schwächen gebe es auch bei der Verfolgung der Straftäter.

Eine langfristige Terrorbekämpfung solle die Unterminierung von Finanzierungsströmen der Terrorzellen und eine gezielte Überwachung von Verdächtigen einschließen. Die Zivilbevölkerung könne versuchen, der Terrorgefahr „Gelassenheit entgegensetzen“.

„Multiples Versagen“ der Sicherheitsbehörden

Stockhammer sieht einen Zusammenhang der Anschläge von Paris und Brüssel, es liege ein „multiples Versagen“ der Sicherheitsbehörden in Belgien und der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit vor. Auch die Brüsseler Problemgemeinde Molenbeek sei zu wenig überwacht worden. Der Anschlag in Brüssel habe Zeit zur Planung gebraucht und sei nun von den Terroristen „anlassbezogen aus der Tasche geholt“ worden.