Erdogan kritisiert Diplomaten bei Journalistenprozess

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Diplomaten scharf kritisiert, weil sie einen Prozess gegen zwei prominente Journalisten besucht haben. Das entspreche nicht dem diplomatischen Protokoll, sagte Erdogan gestern bei einem Treffen von Geschäftsleuten in Istanbul.

Beim Prozessauftakt am Freitag gegen den Chefredakteur der oppositionsnahen Zeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, und den Leiter des Redaktionsbüros in Ankara, Erdem Gül, seien Generalkonsule anwesend gewesen. „Wer seid Ihr? Was habt Ihr da zu suchen?“, sagte Erdogan. „Diplomatie unterliegt einem gewissen Anstand und Umgangsformen. Das ist nicht Euer Land. Das ist die Türkei.“ Innerhalb des Konsulats könnten sie sich frei bewegen. Alles andere bedürfe einer Genehmigung.

Das Verfahren gegen die beiden Journalisten wegen Spionage hat im Ausland für viel Aufmerksamkeit und Kritik gesorgt. Ihnen drohen lebenslange Haftstrafen. Das Blatt hatte im vergangenen Mai berichtet, der türkische Geheimdienst habe bei der Lieferung von Waffen nach Syrien geholfen. Erdogan hatte das als rufschädigend für die Türkei bezeichnet. Dündar werde dafür einen hohen Preis bezahlen. Der Präsident ist Nebenkläger in dem Prozess.