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Sparquote auf Tiefstand

Den Österreichern ist im Vorjahr weniger Kaufkraft zur Verfügung gestanden als 2014. Denn das verfügbare Einkommen stieg zwar 2015 nominell um 0,4 Prozent, nach Berücksichtigung der Inflation von einem Prozent entsprach das aber einem realen Rückgang, so die Statistik Austria.

Die Konsumausgaben legten hingegen um 1,4 Prozent zu - also etwas stärker als die Inflationsrate. In absoluten Zahlen lag das verfügbare Einkommen bei 191,4 Mrd. Euro nach 190,7 Mrd. Euro im Jahr 2014. Angesichts der kaum vorhandenen Sparzinsen geben viele ihr Geld offenbar lieber aus, als es aufs Sparbuch zu legen.

Einen Trost hat die Statistik Austria: Wenn man staatliche Sachleistungen etwa für Bildung und Gesundheit dazurechnet, dann stieg das so definierte „verfügbare Einkommen nach dem Verbrauchskonzept“ gegenüber 2014 um 0,9 Prozent auf 233,8 Mrd. Euro - damit wurde die Inflationsrate also fast wettgemacht. Abzuwarten bleibt, wie sich die Steuerreform auf das Realeinkommen auswirkt - deren Effekte könnten heuer das Realeinkommen wieder steigen lassen.

Wie viel man kaufen kann

Das Realkommen gibt Auskunft darüber, wie viele Güter mit dem Nominaleinkommen erworben werden können, zeigt also die reale Kaufkraft an. Wichtig ist das Realeinkommen bei der Einschätzung von Einkommensveränderungen - da nominelle Erhöhungen von der Inflation „aufgefressen“ werden können.

Seit 1995 um mehr als die Hälfte geschrumpft

Gleichzeitig legten die heimischen Haushalte 2015 nur noch 6,9 Prozent ihres verfügbaren Einkommens beiseite. Damit erreichte die Sparquote der privaten Haushalte einen neuen Tiefstand, teilte die Statistik Austria am Donnerstag mit. Obwohl die realen Einkommen zurückgingen, erhöhten die Österreicher 2015 ihre Konsumausgaben.

Die Sparquote war schon in den Jahren davor bei 7,8 Prozent (2014) bzw. 7,3 Prozent (2013) gelegen - auch das sei schon „ein verhältnismäßig niedriges Niveau“ gewesen, so die Statistik Austria. Vor 20 Jahren lag die Rate noch bei fast 15 Prozent, bis zur Finanzkrise waren es laufend über zehn Prozent.

Trotzdem waren die Österreicher auch 2015 immer noch sparsamer als die Bürger des Euro-Raumes, die (2014) im Schnitt 6,0 Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante legten. (Zahlen für 2015 werden erst am 11. April veröffentlicht.) In der gesamten EU lag die Sparquote 2014 bei nur 3,8 Prozent.

Sozialbeiträge mindern verfügbares Einkommen

Löhne und Gehälter („Arbeitnehmerentgelt“) und Sozialleistungen (insbesondere Pensionen) stiegen im Vorjahr mit nominell 2,7 bzw. 1,2 Prozent stärker als die Inflationsrate. Selbstständigeneinkommen, Betriebsüberschuss und Vermögenseinkommen gingen um 0,5 Prozent zurück. Der Anstieg der Steuern auf Einkommen (plus 6,6 Prozent) und Sozialbeiträge (plus 3,2 Prozent) dämpfte aber den Anstieg des verfügbaren Einkommens.

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