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Beliebtheit schützt nicht vor Serientod

Am Sonntag beginnt die sechste Staffel der Fantasyserie „Game of Thrones“. Erstmals werden wesentliche Teile der Handlung der TV-Serie den Bücher voraus sein. Die Trailer zum Serienstart ließen die Spekulationen blühen - vor allem im Hinblick auf das Schicksal einer der zentralen „GoT“-Figuren.

Für all jene, die die fünfte Staffel von „Game of Thrones“ nicht gesehen haben, folgt an dieser Stelle der obligate Warnhinweis: Achtung, mögliche Spoiler! Weiterlesen auf eigene Gefahr. Was sich gefahrlos sagen lässt: Einige der Figuren werden wohl auch in dieser Staffel einen mehr oder weniger grausamen Serientod sterben.

Tödliche Wahrscheinlichkeit

Berühmtheit oder Beliebtheit hat noch keinen Charakter gerettet - das gilt gleichermaßen für die TV-Adaption wie auch für die Bücher von George R. R. Martin. Im Gegenteil: Egal ob „gut“ oder „böse“, genauso wie Heerscharen von Nebenfiguren mussten auch zahlreiche Sympathieträger bereits sterben. Als Beispiele seien an dieser Stelle nur die „Rote Hochzeit“ und die „Purpurne Hochzeit“ genannt.

Die nächsten „großen“ Serientode werden statistisch gesehen im Norden des Fantasiereichs Westeros gestorben. Theon Greyjoy hat eine 74-prozentige Wahrscheinlichkeit, die sechste Staffel nicht zu überleben, sein Peiniger Ramsay Bolton immerhin eine 64-prozentige. Das geht jedenfalls aus einem Algorithmus hervor, den Studierende der Technischen Universität München (TUM) auf Basis von Internetrecherchen berechneten - und der bisher in mehr als 70 Prozent der Fälle treffsicher war.

Mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit gibt es indes eine siebente Staffel. Das gab der Bezahlfernsehsender HBO vor wenigen Tagen auf Twitter bekannt. Unklar ist, ob diese und mögliche weitere Staffeln weniger Episoden umfassen sollen, wie die Serienmacher D. B. Weiss und David Benioff kürzlich erklärten.

Die Frau im Turm

Eine Gleichung der anderen Art treibt die „GoT“-Fangemeinde schon seit Jahren um - und könnte in dieser Staffel aufgelöst werden. Es geht um nichts weniger als um die Herkunft einer der zentralen Figuren der Serie. Auslöser der Spekulation ist die Auswahl eines ganz bestimmten Drehortes in Spanien. Das Schloss Zafra in der Provinz Guardalajara erinnerte Fans frappant an den in Martins Büchern beschriebenen „Turm der Freude“.

Besagter Ort liegt in den Büchern im Königreich Dorne und war Schauplatz eines Scharmützels zwischen den Resten der Leibgarde des gestürzten Königs Aerys II. Targaryen und einer Gruppe Aufständischer rund um den jungen Eddard „Ned“ Stark.

In dem Gemäuer befand sich Neds Schwester Lyanna. Die Frage, warum sie in den Turm gebracht wurde und unter welchen Umständen verleitete Fans zur Entwicklung der „R + L = J“-Theorie (anklicken auf eigene Gefahr). Sollte sich diese bewahrheiten, könnte es einen Charakter geben, der „Das Lied von Eis und Feuer“ (so der offizielle deutsche Titel von Martins Fantasyreihe) personifiziert wie kein Zweiter.

Duell der Giganten

Das Duell der „Roten Viper“ gegen den „Berg“ war eine der schockierendsten Momente der vierten Staffel. Nach Ausstrahlung der Episode fragte etwa der „Daily Telegraph“ nicht ganz zu Unrecht, ob die Gewaltdarstellungen in der Serie mittlerweile zu weit gingen.

Umso überraschender erscheint es, dass ein zentraler Charakter der genannten Episode nun zurückkehren könnte (wenn auch nicht ganz als der, der er einmal war). Was wiederum in Hinblick auf kursierende Fantheorien Fragen aufwirft. Denn auch eine weitere totgeglaubte Figur hat eine „ordentliche Chance, noch am Leben zu sein“, wie es das Onlinemagazin Bustle ausdrückte. Und das könnte zu einem Zweikampf führen, der den oben erwähnten mutmaßlich noch in den Schatten stellt.

Der Nachtkönig

Anfang des Jahres gab Martin bekannt, dass sich das Erscheinen des sechsten Teils seiner Buchreihe neuerlich verzögern wird. „Ihr wolltet ein Update. Hier ist das Update. Ihr werdet es nicht mögen. ‚The Winds of Winter‘ ist nicht fertig“, schrieb der Autor auf seinem Blog. Damit bleibt es den Serienmachern vorbehalten, die Story um den Nachtkönig auszubauen. Er ist der Anführer der „Weißen Wanderer“ und kommt in Martins bisher veröffentlichten Büchern nicht direkt vor.

Der Legende nach war er 8.000 Jahre bevor die Handlung in „GoT“ beginnt, ein Kommandant der Nachtwache an der Mauer. Nach einer Liaison mit einer mysteriösen Eisprinzessin errichtete er ein Schreckensregime hoch im Norden. Einer populären Fantheorie nach soll es sich bei dem Kommandanten um ein Mitglied der Familie Stark gehandelt haben.

Diese Konstellation ist im Hinblick auf die Reise Bran Starks interessant, der die gesamte fünfte Staffel über nicht zu sehen war. Bran, der seit der ersten Staffel querschnittsgelähmt ist, und seine Begleiter scheinen mittlerweile gefährlich nahe an das Reich der „Weißen Wanderer“ herangekommen zu sein. Zumindest suggeriert das einer der von HBO veröffentlichten Trailer.

Finanzielle Lage gefährlicher als Drachen

Obwohl Westeros ein Fantasiereich ist, war Martin die korrekte Darstellung des Wirtschaftssystems wichtig. Die „Eiserne Bank von Braavos“ etwa schuf er nach dem Vorbild der mittelalterlichen Geldinstitute in den damals prosperierenden Städten Norditaliens.

Und so ortet das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ Probleme der fiskalpolitischen Art für den „Eisernen Thron“. Die regierende Familie Lennister in Königsmund, der Hauptstadt der sieben Königreiche von Westeros, befinde sich im Würgegriff einer schweren Schuldenkrise. Die Kapitale hat hohe Schulden bei der „Eisernen Bank“.

Regentin Cersei Lennister verweigerte der Bank die Abzahlung der hohen Außenstände; stattdessen steckte sie die Gelder in den Wiederaufbau der Kriegsmarine. Die Schuldenlast zwingt sie schließlich, dem radikalen Orden des „Glaubens der Sieben“ mehr Macht zuzugestehen - mit verheerenden Folgen. Die finanzielle Lage sei gefährlicher als die Drachen der Daenerys Targaryen, die die Macht im Königreich an sich reißen will, folgerte der „Economist“.

Philip Pfleger, ORF.at

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