Vor 25 Jahren: Massenflucht von Albanien nach Italien

In Italien wurde gestern der chaotischen Flucht von mehreren zehntausend Albanern vor 25 Jahren erinnert. Als Höhepunkt gilt die Ankunft des schrottreifen und völlig überfüllten Frachters „Vlora“ im Hafen der süditalienischen Stadt Bari am 8. August. Die Bilder gingen 1991 um die Welt - eines davon wurde gestern unter anderem von Baris Bürgermeister Antonio Decaro auf Twitter veröffentlicht.

Rund um die Ankunft der „Vlora“ spielten sich chaotische Szenen ab. Erst nach Krawallen durften die Flüchtlinge das Schiff und den Hafen verlassen und wurden von der Küstenwache in ein Fußballstadion gebracht. Innerhalb von zwei Wochen erfolgte - unter massiver Kritik von Menschenrechtsorganisationen - mit Schiffen und Flugzeugen die Rückführung nach Albanien.

Massenflucht nach ernüchternder Wahl

Bereits in den Monaten zuvor waren von der albanischen Hafenstadt Durres geschätzt zwischen 25.000 bis 35.000 Albaner ins nur 80 Kilometer entfernte Bari gekommen. Als Auslöser der Massenflucht gelten die Wahlen im März 1991, die auf den Zusammenbruch des langjährigen stalinistischen Regimes von Enver Hoxha folgten.

Nachdem sich die kommunistische Albanische Arbeiterpartei zum Sieger erklärte, glaubten in der jahrzehntelang isolierten und in Armut lebenden albanischen Bevölkerung viele nicht mehr an die erhofften politischen Reformen sowie eine bessere Versorgungslage und entschieden sich zur Flucht.

Den ersten Flüchtlingen wurde von den Behörden noch eine Frist bis Ende Juli gesetzt, sich Arbeit zu suchen bzw. Asyl zu beantragen. In Folge änderte die italienische Regierung unter dem damaligen Premier Giulio Andreotti mehrmals ihren Umgang mit den albanischen Flüchtlingen. Die harte Vorgangsweise mit den „Vlora“-Flüchtlingen - aber auch ein für Albanien beschlossenes Aufbauprogramm konnte die Fluchtbewegung nicht stoppen.