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Mehr produziert, weniger verdient

Obwohl Russlands Öl- und Gasproduktion 2015 auf Hochtouren gelaufen ist, sind die Einnahmen des russischen Staates allein bei den Ölexporten um mehr als 30 Mrd. Dollar (aktuell 26,9 Mrd. Euro) zurückgegangen. Das liegt vor allem am drastischen Preiseinbruch - aber die russische Öl- und Gasindustrie kämpft auch mit einem Effizienzproblem.

Russland sei für 13 Prozent der weltweiten Ölproduktion und 17 Prozent der Gasproduktion verantwortlich, heißt es in einer Analyse des russischen Wirtschaftsforschungsinstituts National Rating Agency (NRA). Nach Angaben des Energieministeriums in Moskau stieg die russische Ölproduktion im vergangenen Jahr um 1,4 Prozentpunkte auf 534,1 Mio. Tonnen - damit habe man Saudi-Arabien als weltgrößten Ölproduzenten abgelöst.

Wichtiger Export

45 Prozent der Produktion wurden ins Ausland verkauft. Zum Exportanstieg beigetragen hat laut NRA-Analyse auch eine Senkung der Exportzölle zum Jahresbeginn 2015 von 59 auf 42 Prozent. Zusätzlich ist für die Förderung von Öl und Gas eine Abgabe zu bezahlen, die im Vorjahr um die Hälfte auf 766 Rubel je Tonne erhöht wurde und für 2016 auf 857 Rubel (derzeit 11,88 Euro). Nächstes Jahr soll sie auf 919 Rubel je Tonne weiter steigen.

Russische Ölförderanlage

Reuters/Sergei Karpukhin

Priobskoje in Westsibirien gilt als eines der weltweit größten Ölfelder

Die russische Gasproduktion ging im Vorjahr um einen Prozentpunkt auf 635,5 Mrd. Kubikmeter zurück, damit ist Russland nach den USA der zweitgrößte Erdgasproduzent der Welt. Für den Rückgang verantwortlich waren unter anderem das warme Wetter und eine geringere Nachfrage aus den GUS-Ländern.

Staat von Öl abhängig

Wegen des Preisverfalls seien die Staatseinnahmen aus Öl und Gas im vergangenen Jahr um mehr als ein Viertel eingebrochen, heißt es in der NRA-Analyse. „Während die russische Öl- und Gasindustrie im Jahr 2014 mit den Auswirkungen der Sanktionen zu kämpfen hatte, war 2015 geprägt von der Volatilität der Ölpreise“, heißt es.

Der Ölpreis sei durch ein Überangebot von durchschnittlich 56,42 Dollar auf 37,89 Dollar gesunken. Für Russland sind die Folgen dramatisch - immerhin machen die Öl- und Gasausfuhren rund 59 Prozent aller Exporte aus, das Staatsbudget wird zu 51 Prozent durch den Öl- und Gassektor finanziert.

Ineffizienter als die Konkurrenz

Dazu kommt, dass die russischen Förderer deutlich ineffizienter arbeiten als ihre europäischen und nordamerikanischen Konkurrenten. „Russlands durchschnittliche Bearbeitungstiefe (Effizienzgrad, Anm.) erreicht knapp 70 Prozent, während in Europa dieser Wert bei 87 Prozent, in den USA bei mehr als 90 Prozent und in China bei 85 Prozent liegt“, erklärte der Russland- und GUS-Experte Maxim Chernyaev von der Russischen Universität der Völkerfreundschaft in Moskau.

In die Öl- und Gasförderung wird in Russland derzeit - wie auch weltweit - wenig investiert. So hat der mehrheitlich staatliche Ölkonzern Rosneft seine Investitionen im Vorjahr um ein Viertel auf 9,8 Mrd. Dollar zurückgeschraubt.

Reserven noch für 26 Jahre

Russlands nachgewiesene Ölreserven betragen derzeit gut 103 Mrd. Barrel (zu je 159 Liter), das sind rund sechs Prozent der globalen Reserven. Bei der aktuellen Produktionsmenge wären diese Reserven aber nach 26 Jahren aufgebraucht, im Vergleich zu 52,5 Jahren bei den weltweiten Reserven. Gemessen an den Ölreserven ist Russland die Nummer sechs der Welt nach Venezuela (17,5 Prozent), Saudi-Arabien (15,7 Prozent), Kanada (10,2 Prozent), dem Iran (9,3 Prozent) und dem Irak (8,8 Prozent).

Zweitgrößte Erdgasreserven weltweit

Bei den Raffineriekapazitäten ist Russland weltweit die Nummer drei nach den USA und China. Anfang 2015 konnten die russischen Raffinerien 6,338 Mio. Fass Rohöl pro Tag verarbeiten, das entspricht 6,6 Prozent der globalen Raffineriekapazitäten. Auf die USA entfallen - nach russischen Berechnungen - 18,4 Prozent der Kapazitäten, auf China 14,6 Prozent.

Beim Erdgas sind Russlands Reserven deutlich größer als beim Öl. Die 32.644 Mrd. Kubikmeter entsprechen 17,4 Prozent der weltweiten nachgewiesenen Reserven und würden bei der aktuellen Förderrate für gut 56 Jahre reichen. Größere Reserven hat nur der Iran mit einem Anteil von 18,2 Prozent am weltweiten Vorkommen.

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