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Hohe Ragweed-Belastung am Wochenende

Die Ragweed-Saison in Österreich wird nach Meinung von Experten in diesem Jahr besonders heftig ausfallen. In weiten Teilen Österreichs steht die aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze kurz vor der Blüte - am Wochenende wird es eine erste Belastungsspitze für Allergiker geben.

Besonders stark werde die Belastung im Burgenland, in Wien und in Niederösterreich zu spüren sein, sagt Katharina Bastl vom Pollenwarndienst der Medizinischen Universität Wien gegenüber ORF.at. Neben der Blüte lokaler Ragweed-Populationen müssen sich Allergiker am Wochenende auch auf Belastungen durch den Ferntransport von Pollen einstellen.

Ragweed am Straßenrand in Floridsdorf

cc by Stefan lefnaer

Ragweed-Pflanze in Wien-Floridsdorf - Allergiker müssen sich auf ein heftiges Wochenende einstellen

Der für Freitag und Samstag vorhergesagte Südostwind könnte Pollen aus den Balkan-Staaten, wo sich Ragweed stark ausgebreitet hat, nach Österreich befördern. Am höchsten sei die Belastung rund um die Mittagszeit, sagt Bastl. Durch den Ferntransport könnten die Spitzen aber auch am Abend auftreten.

Ungewöhnliche Kombination bereitet Probleme

Die Wachstumsbedingungen für das Beifußblättriges Traubenkraut - so die deutsche Bezeichnung für Ragweed - seien heuer optimal gewesen, sagt Bastl. Der niederschlagsreiche Sommer begünstigte die Entwicklung der Pflanzen. Im Vorjahr dagegen war es heiß und trocken, was viele Ragweed-Pflanzen nicht überlebt hätten.

Allergikerplage Ragweed

Zusätzlich zur Behandlung der Symptome sollten Allergiker der Belastung so gut es geht ausweichen. Hilfe dabei bietet die stundengenaue Vorhersage des Pollenwarndienstes.

Aufgrund der optimalen Wachstumsbedingungen erwartet Bastl für dieses Jahr eine überdurchschnittliche Ragweed-Saison. Und noch etwas sticht heuer hervor: Die Blütezeiten von Ragweed und Beifuß überlappen sich, was in den letzten Jahren noch nie der Fall war. Die Kombination aus beiden Allergenen kann bei manchen Allergikern die Belastung zusätzlich erhöhen.

25 bis 30 Prozent der Allergiker betroffen

Einer aktuellen Schätzung des Pollenwarndienstes zufolge reagieren 25 bis 30 Prozent der österreichischen Pollenallergiker auf Ragweed. Die Pollen des Unkrauts sind hochallergen, schon drei Pollen pro Kubikmeter Luft machen sich für Allergiker bemerkbar.

Miskroskopaufnahme von Ragweedpollen

picturedesk.com/Science Photo Library/Martin Oeggerl

Die winzigen Ragweed-Pollen verbreiten sich mit dem Wind

Neben den klassischen allergischen Symptomen wie der rinnenden Nase und den tränenden Augen leiden viele Betroffene - anders als bei anderen Formen der Pollenallergie - auch an asthmatischen Beschwerden und trockenem Husten. Warum Ragweed-Pollen diese Reaktion hervorrufen und andere nicht, ist laut Bastl wissenschaftlich noch nicht geklärt.

Zudem kann die Pflanze bei manchen Menschen zu Urtikaria führen, die sich in Form von juckenden Quaddeln bemerkbar macht. Ob der heftigen Beschwerden bei minimaler Menge haben manche englische Medien Ragweed-Pollen die Bezeichnung „Superallergen“ verpasst. Bastl empfiehlt Allergikern, die Prognosen des Pollenwarndienstes genau zu verfolgen, da die Belastungslage sehr schnell wechseln kann.

Gesamtpollenmenge nicht gestiegen

In Österreich breitet sich Ragweed seit den 1980er Jahren stark aus. Die Pflanze gedeiht bis zu einer Seehöhe von 700 Metern. Die Pollen sind winzig klein und verbreiten sich mit dem Wind, aber auch als „blinder Passagier“ an landwirtschaftlichen Geräten und Lkws und sogar über Vogelfuttermischungen.

Besonders gut gedeiht die Pflanze entlang der Grünstreifen neben Landstraßen und Autobahnen. Hier setzt auch die Bekämpfung an. In Niederösterreich und dem Burgenland sind die Mitarbeiter der Straßenmeistereien speziell darauf geschult, Ragweed zu erkennen. Die Pflanzen werden in regelmäßigen Abständen abgemäht. Dank dieser Maßnahmen konnte erreicht werden, dass die in der Luft gemessene Ragweed-Gesamtpollenmenge in Österreich in den letzten Jahren stagniert.

Pollenallergiker hatten bereits das ganze Jahr 2016 über mit hohen Belastungen zu kämpfen. Erle, Hasel und vor allem die Birke machten Allergikern heuer schon früh das Leben schwer. Auch die Gräserpollensaison fiel stark aus.

Philip Pfleger, ORF.at

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