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„Schnelles Handeln dringend nötig“

Heiterwang in Tirol - dort kann man in Österreich laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch den am wenigsten gesundheitsschädlichen Atemzug tun. Immer noch ist die Luft dort aber mit mehr Mikropartikeln belastet als etwa in Rochester im US-Bundesstaat New York, im deutschen Göttingen, in der schottischen Hauptstadt Edinburgh und 310 anderen Städten, in denen die Luftgüte gemessen wurde.

Aus Messpunkten in fast 3.000 Städten, Siedlungen und Gegenden rund um die Welt stellte die WHO für die neueste Evaluierung ihres Lüftgütereports eine interaktive Weltkarte zusammen, die oft gängigen Annahmen darüber widerspricht, wo gute und schlechte Luft zu finden sei: In der berühmt-berüchtigten US-Industrieruinenstadt Flint im Bundesstaat Michigan etwa ist die Luft im Hinblick auf die generelle Verschmutzung so gut wie in Bad Ischl. Nur, dass es in Bad Ischl laut WHO weit mehr Feinstaub gibt.

Onitsha und Klosterneuburg

Die im vergangenen September präsentierte WHO-Karte zeigt gerade, dass Unterschiede zwischen Stadt und Land bei der Luftverschmutzung längst verschwommen sind oder sich überhaupt umgekehrt haben. Deutlich wird darin der Einfluss klimatischer Begünstigung. Die USA sind laut Angaben kaum selbst von der von ihnen verursachten Luftverschmutzung betroffen. Die Luftströmung von Westen nach Osten und der nordatlantische Wirbel an der Küste wirken wie ein Staubsauger.

Screenshot maps.who.int/airpollution/

http://maps.who.int/airpollution/

Die Karte zeigt, dass selbst die industrialisiertesten Gegenden der USA bessere Luft haben als Europa und vor allem Afrika und Asien

Die schwerste Gesundheitsbelastung weist die Karte - und eine begleitende Datenbank, die zum freien Download bereitsteht - erwartungsgemäß für die urbanen und industriellen Zonen Nordwestafrikas, des Persischen Golfs, Chinas und Indiens aus. Den Spitzenplatz nimmt aber auch hier nicht etwa das Smog-verseuchte Peking (Platz 153) ein, sondern das nigerianische Onitsha, wo die Luft 22-mal schlechter ist als am Ort mit der schlechtesten gemessenen Luftqualität in Österreich: Klosterneuburg.

Nur acht Prozent der Menschheit mit guter Luft

Für Klosterneuburg gilt im nationalen Zusammenhang das, was für Österreich im europäischen Zusammenhang gilt: Die Gemeinde am Rand von Wien bekommt den Schmutz der Großstadt ab, genauso wie Österreich als ganzes Land zu einem Gutteil den Schmutz der westlich von ihm gelegenen europäischen Länder abbekommt. Vor allem im Nordosten des Landes weist die Karte eine Luftqualität aus, die sich nicht wesentlich von den Werten aus Polen, Rumänien und Weißrussland unterscheidet.

Screenshot maps.who.int/airpollution/

http://maps.who.int/airpollution/

Der Norden und Osten Österreichs haben die am stärksten belastete Luft

Vor allem zeigt die Karte aber eindrücklich, dass der Mangel an sauberer Luft ein globales Problem ist: 92 Prozent aller Menschen leben in einem Umfeld, in dem die Luftgütegrenzwerte überschritten werden. Wie die WHO in Genf betonte, sterben jedes Jahr mehr als sechs Millionen Menschen an den Folgen. Auch abseits der Städte sei das Problem größer als angenommen. Die Direktorin der WHO-Abteilung für öffentliche Gesundheit und Umwelt, Maria Neira, nannte die neuen Zahlen „zutiefst besorgniserregend“.

„Es gibt Lösungen“

Neira sprach von einer „gesundheitlichen Notlage“. Luftverschmutzung betreffe „praktisch alle Länder der Welt und alle Teile der Gesellschaft“, wie gerade die nun erstmals global erhobenen Daten zeigten. Schnelles Handeln sei „dringend nötig“, gerade weil „es Lösungen gibt“. Neira forderte insbesondere Maßnahmen für die Verringerung des Autoverkehrs auf den Straßen, die Verbesserung des Abfallmanagements und die Förderung sauberer Energie.

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