Doku: Bosnischer Stierkampf als sozialer Kitt

Der Dokumentarfilm „Korida“ ist ein eindringliches Porträt Zentralbosniens: Die Doku zeigt den international wenig bekannten bosnischen Stierkampf und wirft dabei ein Schlaglicht darauf, wie es Land und Leuten geht - und wie langsam der Friedensprozess voranschreitet. Am Anfang des Films stehen österreichische Wochenschau-Bilder aus den 1970ern: „So viele Menschen auf einer Wiese, was kann das bedeuten?“

Männer und Stiere bei einem Stierkampf

Sinisa Vidovic

Es handelt sich um eine Korida, einen Kampf Bulle gegen Bulle, der in den wenigsten Fällen blutig ausgeht und der Volksfestcharakter hat. Zwischen diesen und den Bildern, die darauf folgen - von einer Korida dieser Tage -, liegen 50 Jahre, der Zerfall des Gesamtstaates und ein langer Krieg. Bei den Koridas hat sich äußerlich nicht viel verändert bis auf ein paar Holzzäune und eine Art Showtruck, von dem aus lautstark moderiert und das Filmteam begrüßt wird.

Politikerreden sind tabu

Der Linzer Regisseur Sinisa Vidovic formte über den Zugang zur bosnischen Stierkampfszene ein metaphernreiches Werk über die Suche nach neuem Traditionsbewusstsein, das abseits von Religion und Politik gefunden werden soll. Die ersten Koridas fanden in Bosnien vor über 240 Jahren statt. Nun gibt es dort mehr Koridas als je zuvor.

Die Stierkämpfe sind eine Art Volkssport fern urbaner Zentren, die dazugehörigen Dorffeste animieren die Besucher, aufeinander zuzugehen. „Politiker sind jedoch nie eingeladen und politische Reden auf Koridas ein Tabu“, sagt Vidovic gegenüber ORF.at.

Die Poesie des Zusammengehörigkeitsgefühls

Dem Regisseur ging es darum, wichtige soziale Prozesse und die Wünsche nach Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten einzufangen. Menschen aus unteren sozialen Schichten wird laut Vidovic zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit gewidmet. Ihr Wunsch nach Gemeinsamkeit und ihre gemeinsamen Geschichten würden im Schatten der großen politischen Diskussionen über die Spaltung und über die Unterschiede zwischen den Bewohnern Bosniens verschwinden.

Der Alltag scheint oft positiver als die politische Agitation. Die Bosnier, so Vidovic, würden sich bei der Arbeit an einem friedvollen Miteinander durchaus Mühe geben. Neben dieser hoffnunggebenden Botschaft fehlt es dem Film auch nicht an leisen Tönen und Kunstsinnigkeit.

Mitten im Trubel zwischen den perfekt inszenierten Kämpfen der Stiere findet die eine oder andere poetische Unterhaltung statt – dort, wo man sie am wenigsten erwarten würde. „Korida“ läuft ab sofort in österreichischen Kinos.