Aus für „Nepszabadsag“ in Ungarn besiegelt

Die ungarische Tageszeitung „Nepszabadsag“ ist an ein regierungsnahes Unternehmen verkauft worden. Das geht aus einer Mitteilung auf der Website der Budapester Börse gestern hervor. Das Ende des regierungskritischen Blattes ist damit besiegelt.

Die Aktien des Eigentümerverlags der Traditionszeitung, Mediaworks, wurden vom österreichischen Unternehmer Heinrich Pecina zu 100 Prozent an die als regierungsnah geltende Firma Opimus Press veräußert, berichtete das Portal Vs.hu. Der stellvertretende Chefredakteur des Blattes, Marton Gergely, bestätigte den Verkauf.

Entscheidung für schnellen Verkauf

Laut Aussendung von Pecinas Firma Vienna Capital Partners (VCP) habe man sich für den schnellen Verkauf entschieden, da es viele Kaufanwärter gegeben habe. Opimus Press habe nach Einstellung von „Nepszabadsag“ ihr Angebot abgegeben und den Zuschlag erhalten, da das Unternehmen den Neustart der Zeitung ernsthaft erwäge, zitierte die ungarische Nachrichtenagentur MTI die Wiener Firma.

Käufer soll Freund von Orban nahestehen

Opimus Press soll Lörinc Meszaros nahestehen, einem persönlichen und Parteifreund von Regierungschef Viktor Orban. Wie Vs.hu berichtet, stimmte das Wettbewerbsamt bereits der Übertragung der Aktien zu.

Die überraschende Einstellung der bekannten Oppositionszeitung „Nepszabadsag“ vor zwei Wochen hatte zu Kritik im In- und Ausland geführt. Das Aus wurde vom Verlag mit Verlusten in der Höhe von fünf Millionen Forint (200.000 Euro) seit 2007 begründet.

Kritiker vermuten politische Gründe

Kritiker vermuten jedoch eher politische Gründe. Wer sich Mediaworks sichert, kann „aus dem Stand eine Million Menschen erreichen“, schrieb das Nachrichtenportal Index. Es sei demnach ein „Geschenk“ für die Regierung, gelange der Mediaworks-Verlag mit seinen 13 Regionalzeitungen in FIDESZ-nahe Hände. Auf dem ländlichen ungarischen Zeitungsmarkt spielen Regionalblätter nach wie vor eine wichtige Rolle. Zudem gehört auch die populäre Sporttageszeitung „Nemzeti Sport“ zum Portfolio von Mediaworks.