Wien: The Cure schläfern sich durchs Gesamtwerk

37 Songs waren im Vorfeld gerüchtehalber in den Medien versprochen worden, 31 sind es am Ende mit einem mehrteiligen Zugabenset geworden: In fünfköpfiger Besetzung lieferten sich The Cure gestern Abend der übervollen wie überhitzten Marxhalle in Wien aus und kamen über eine Slowfox-Interpretation ihres Werkkanons nie richtig hinaus - mehr dazu auch in fm4.ORF.at.

Zwar hat sich Robert Smith mit Reeves Gabrels an der Begleitgitarre nach seinem Schwager Porl Thompson sicher einen der besten Männer des Faches eingekauft - doch der durfte nur selten zeigen, was in ihm steckt (und vielleicht steckt im ehemaligen Mitbegründer von Tin Machine doch kein Cure-Sound-Gitarrist).

Im Keyboard war das Valium

Zurück bei der Band war Keyboarder Roger O’Donnell, der in Zinnsoldat-Pose wieder beweisen durfte, dass Tastendrücken bei Smith einer der langweiligsten Jobs der Welt ist. Er war mit der Einhandbedienung seines Instruments für den Klangteppich zuständig und bei „From the Edge of the Deep Green Sea“ immerhin für einen Ton pro Song.

Robert hinter dem Zaun #cure #vienna #marxhalle

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So war schon bei der Interpretation von „Plainsong“ zu Beginn des Konzerts klar: Hier kommt der Werkkanon im Valium-Format. Und so ging es mal eine knappe Stunde mittelhurtig dahin, bevor das Publikum bei „Inbetween Days“ erwachte und zeigte, dass man ja zum Mitsingen gekommen war.

Die meisten der 40-Somethings schienen ohnedies damit beschäftigt, im Gewurschtel zwischen Garaderoben-, Klo- und Getränkestandschlangen irgendwo den Platz in dieser für Konzerte untauglichen Halle zu finden. Für Social-Media-Bilder reichte das bis gegen Mitternacht gehende Spektakel allemal.

„Boys Don’t Cry“ gab es im Abspann neben dem unvermeidbaren „Friday I’m in Love“ als Reminiszenz an das frischere Frühwerk dieser einst stilbildenden Band.

Den einen war am Ende zum Weinen, die anderen, die es erlebt hatten, durften an das legendäre Cure-zu-viert-Konzert im Gasometer 2008 denken. Und nicht wenige hätten gerne mit Margaret Thatcher am Ende dieses Abends gesagt: „I want my money back.“ (heid, ORF.at)