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Eine Stimme im Flugzeug

In seiner noch recht kurzen Amtszeit hat der philippinische Präsident Rodrigo Duterte bisher vor allem mit zwei Dingen Schlagzeilen gemacht: seinem extrem brutal geführten Krieg gegen den Drogenhandel und seinem mehr als vulgären Tonfall.

Beleidigungen gehören bei dem 71-jährigen Staatschef beinahe schon zu seinen Reden. Er nannte US-Präsident Barack Obama einen „hijo de puta“ („Hurensohn“), den Papst hatte er schon zuvor mit diesem Kosewort bedacht. Das schien bisher überhaupt eines seiner Lieblingsschimpfwörter gewesen zu sein. Das soll sich nun allerdings ändern, Duterte will sich einbremsen.

„Slang, Schimpfwörter und alles“

Laut einem Bericht der BBC legte der Präsident eine Art Gelöbnis ab, derbe Worte und das Fluchen künftig sein zu lassen. Die BBC zitierte philippinische Medien mit den Worten, Gott habe Duterte eine Art Ultimatum gestellt. Nach der Rückkehr von einem Staatsbesuch in Japan in seine Heimatstadt Davao habe der 71-Jährige gegenüber der Presse erklärt: „Ich habe eine Stimme gehört, die mir befohlen hat, mit dem Fluchen aufzuhören, oder das Flugzeug würde mitten in der Luft zerbersten.“

Nun habe er Gott versprochen, ab sofort auf „Slang, Schimpfwörter und alles“ zu verzichten. Sein Versprechen an Gott sei gleichermaßen „ein Versprechen an das philippinische Volk“. Allerdings relativierte er sein „Gelöbnis“ gleich wieder etwas, wenn es etwa um Kritiker aus dem Ausland gehe. Dutertes Anhänger hatten bisher offenbar kein Problem mit seinem Ton - im Gegenteil: Seine „unverblümte Sprache“, vor allem in Richtung Westen, sei einer der Gründe für seine Popularität. International machte sich der seit Ende Juni amtierende Präsident damit keine Freunde.

Rundumschläge in Serie

Katholische Bischöfe nannte er wie Obama und den Papst „Hurensöhne“, der UNO und den Europaparlament beschied er ein „Fickt euch!“. Den Vereinten Nationen drohte er zudem mit Austritt. Grund seiner Entgleisungen war zumeist Kritik an seinem „Drogenkrieg“ im Land. Duterte führt einen äußerst brutalen Feldzug gegen Drogenhändler und Süchtige. Er rief mehrfach dazu auf, Drogenhändler zu töten. In den letzten Monaten wurden Hunderte Menschen unter ungeklärten Umständen bei Polizeiaktionen getötet.

Zuletzt verkündete Duterte auf außenpolitischer Ebene die „Trennung“ vom militärischen Verbündeten USA. Er wolle sie „raushaben“, sagte der philippinische Präsident über die im Land stationierten US-Truppen. Ausländischen Unternehmen, die mit seiner Politik nicht zufrieden seien, empfahl er, ihre „Sachen zu packen und zu verschwinden“ - wiederum als Reaktion auf Kritik an seinem Kurs. „Diese Amerikaner sind total verrückt.“

Eklat nach Hitler-Vergleich

Den bisher wahrscheinlich größten Eklat lieferte Duterte Anfang des Monats, als er seinen Anti-Drogen-Feldzug mit dem Holocaust verglich. Adolf Hitler habe drei Millionen Juden (faktisch waren es sechs Millionen) getötet, so der 71-Jährige. „Nun, es gibt (hier, Anm.) drei Millionen Drogenabhängige.“

Er wolle am liebsten alle töten. „Immerhin, wenn Deutschland Hitler hatte, hätten die Philippinen ...“, sagte Duterte, bevor er eine Pause einlegte, um dann fortzufahren: Er würde das „Problem“ mit den Drogenkriminellen auf den Philippinen gern lösen und so „die nächste Generation vor dem Verderben bewahren“.

Später musste er sich entschuldigen. „Nicht, dass ich etwas Falsches gesagt habe, aber ich will einfach nicht mit dem Gedenken herumspielen“, so Duterte. „Daher entschuldige ich mich tiefgründig und zutiefst bei der jüdischen Gemeinde.“ In Umfragen hat dem Präsident sein Ton bisher offenbar nicht geschadet. Zuletzt zeigten sich 76 Prozent der Philippiner mit seiner Amtsführung „sehr zufrieden“.

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