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„Nur“ ein Konzert

Ein Jahr nach den Pariser Terroranschlägen hat das Bataclan neu begonnen. Mit einem Konzert des britischen Popmusikers Sting wurde der Veranstaltungsort, in dem am 13. November des Vorjahres bei einem Konzert 90 Menschen getötet wurden, am Samstagabend wiedereröffnet. Der Termin am Abend vor dem ersten Jahrestag der Islamistenattacke war auch als symbolhaftes Bekenntnis gedacht.

Das Bataclan-Team legte Wert darauf, bereits vor dem 13. November wieder zu öffnen, wie Club-Manager Jules Frutos dem Sender France Bleu sagte. „Ich wollte wirklich, dass es dort vorher Musik gibt.“ 500 der rund 1.500 Karten gingen an Überlebende und Angehörige von Opfern. Die anderen 1.000 Karten waren nach weniger als einer halben Stunde ausverkauft. Sting spielt ohne Gage, die Einnahmen gehen an zwei Opferverbände.

Schweigeminute zu Konzertbeginn

Trotzdem betonte das Bataclan vorweg, dass das Konzert tatsächlich einfach „nur“ ein Konzert sein würde: Statt einer symbolhaften Programmierung des Abends bot sich eben ein Auftritt von Sting an, der damit sein neues Album „57th & 9th“ bewirbt und bisher nur einmal, als Frontmann von Police im Jahr 1979, in dem Saal aufgetreten ist. Zum Beginn seines Auftritts am Samstagabend bat der 65-Jährige die Zuschauer um eine Schweigeminute für die Opfer. „Wir werden sie nicht vergessen“, sagte er.

Bataclan-Konzerthalle in Paris

APA/AFP/Philippe Lopez

Mit der Renovierung wurde das Bataclan äußerlich wieder an seinen Urzustand des Jahres 1865 herangeführt

Die monatelangen Renovierungsarbeiten wurden gerade rechtzeitig fertig. „Es ist das gleiche Bataclan, aber wir haben alles geändert“, erklärte Chef Jerome Langlet. Mit einem Weg zwischen Renovierung und Umgestaltung habe man dem Saal „seine Seele wiedergeben“ wollen. Am Sonntag, dem eigentlichen Jahrestag, bleibt der Club demonstrativ geschlossen, während davor eine Gedenktafel enthüllt wird.

Zeichen wider den Hass

Das Team des Bataclan stand vor dem Konzert in engem Kontakt mit jenen Gruppen, die die 1.700 Überlebenden und Angehörigen von Getöteten vertreten. Viele von ihnen lehnten das Angebot der Einladung zum Konzert ab. Vor allem für sie gab es aber vor wenigen Tagen ein Treffen nach Abschluss der Renovierungsarbeiten im Musikclub unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Opferverbände unterstützten das Vorgehen der Clubbetreiber.

Gerade nach dem tödlichen Überfall auf das Bataclan hatten Hinterbliebene der Opfer an die Öffentlichkeit appelliert, weder mit Verängstigung noch mit Rachegedanken auf die Anschläge zu reagieren, da es die Täter auf genau solche Radikalisierung und Spaltung in der Gesellschaft anlegen würden. Ein großes Echo erfuhr etwa der Journalist Antoine Leiris, der nach dem Tod seiner Frau an jenem Abend schrieb: „Meinen Hass bekommt ihr nicht.“

Die verhängnisvolle Verlockung der Wut

Ein Jahr nach seinem „offenen Brief“ an die Terroristen erklärte Leiris in einem Interview mit der deutschen Nachrichtenagentur dpa, er halte es weiterhin für die richtige Haltung, sich „nicht dem Hass zu unterwerfen“ - allein schon deshalb, weil man so den Terroristen das „Geschenk“ mache, die eigenen Gedanken und damit das eigene Leben von ihren Taten bestimmen zu lassen. Sich in Wut zu flüchten sei verlockend, aber verhängnisvoll, so Leiris.

Am Jahrestag der Anschläge sind am Sonntagvormittag Gedenkfeiern an den verschiedenen Anschlagsorten geplant, an denen auch Präsident Francois Hollande und Bürgermeisterin Anne Hidalgo teilnehmen. Dabei werden Gedenktafeln enthüllt, die an die insgesamt 130 Getöteten erinnern. Reden sind nicht geplant - die Verantwortlichen hatten sich in Abstimmung mit Opferverbänden für möglichst nüchterne Veranstaltungen entschieden.

Neun Menschen immer noch im Spital

Den Auftakt zu diesem Gedenkwochenende gab am Freitag bereits eine Schweigeminute im Stade de France. Das französische Fußballteam spielte dort in der WM-Qualifikation gegen Schweden. Ursprünglich war das Match vom Weltfußballverband FIFA sogar auf den Jahrestag terminiert worden, der französische Fußballverband hatte aus Respekt vor den Opfern aber eine Vorverlegung erbeten. Vor dem Match, das Frankreich mit 2:1 für sich entschied, hielten die Zuschauer kurz inne und gedachten der Opfer.

Drei Islamisten mit Sturmgewehren und Sprengstoffgürteln waren am 13. November 2015 in das Bataclan eingedrungen und hatten 90 Menschen ermordet. Zeitgleich verübten zwei weitere Terrorkommandos Anschläge auf Pariser Bars und am Stade de France. Neun Menschen überlebten die Attentate so schwer verletzt, dass sie ein Jahr danach immer noch in Spitalsbehandlung sind. Dutzende überlebten nur mit dauerhaften Folgen. 600 Menschen sind weiterhin in psychologischer Behandlung.

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