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Ungebetene Gäste

Ein emotionaler Konzertabend mit dem britischen Popmusiker Sting zur Wiedereröffnung des Bataclan-Theaters hat am Samstagabend die Gedenkfeiern zum Jahrestag der islamistischen Anschläge in Paris eingeläutet. Überschattet wurde der Moment allerdings von einem Zwist mit der Band Eagles of Death Metal, die am 13. November 2015 im Bataclan auf der Bühne standen.

Bandmanager Marc Pollack attackierte die Bataclan-Leitung am Sonntag in einem Pressestatement, das er dem Magazin „Billboard“ zukommen ließ. Clubmanager Jules Frutos sei ein „Feigling“, habe die Wiedereröffnung des Bataclan „besudelt“ und führe, so in Anspielung offenbar auf die Terroranschläge, die Verbreitung von Hass durch „niederträchtige Hassparolen“ fort. Eagles-Sänger Jesse Hughes habe in Paris nur der Anschläge gedenken wollen - das aber offenbar trotz Lokalverbots im Bataclan.

Seit wirrem Interview unerwünschte Person

Hughes ist seit dem Frühjahr im Bataclan und bei den meisten anderen französischen Veranstaltern zur unerwünschten Person erklärt worden. Damals erklärte er in einem wirren Interview gegenüber dem US-Sender Fox, offenbar hätten die Terroristen Helfer in der Belegschaft des Bataclan gehabt. Als Indiz dafür sah er, dass einer der Mitarbeiter an jenem Abend „den Augenkontakt vermieden“ habe.


Publikum im Bataclan Club in Paris

APA/AP/Christophe Ena

Das Bataclan bei der Wiedereröffnung am Samstagabend

Außerdem wies Hughes indirekt den Franzosen selbst Mitschuld an den 90 im Bataclan getöteten Menschen zu, indem er auf das seiner Ansicht nach viel zu strenge Waffenrecht in Europa verwies. Wenig später kamen noch antimuslimische und rassistische Äußerungen im Austausch mit einem Blogger dazu. Absagen von Eagles-Konzerten in Frankreich folgten auf den Fuß. Daran konnte auch nichts ändern, dass Hughes sich für seine Aussagen entschuldigte und eine Traumatisierung durch den Terror dafür verantwortlich machte.

„Sie kamen, ich habe sie ‚rausgehaut‘“

Offenbar tauchte Hughes mit einem weiteren Bandmitglied am Samstagabend an der Tür des Bataclan auf. Clubmanager Frutos schilderte später der französischen Nachrichtenagentur AFP: „Sie kamen, ich habe sie ‚rausgehaut‘ - es gibt eben Dinge, die man nicht verzeihen kann.“ Der Bandmanager wiederum meinte: „Jesse hat niemals versucht, für Stings Show in den Club zu kommen.“ Darüber, ob Hughes beim Club war, schwieg sich der Manager aber aus.

Sting im Bataclan Club in Paris

APA/AP/Universal Music France/Boris Allin

Sting auf der Bühne des Bataclan

Sting trat am Samstagabend als erster Künstler seit dem Anschlag im Bataclan auf, wo ein Jahr zuvor 90 Menschen getötet worden waren. Insgesamt hatten die Attentäter an sechs Orten 130 Menschen getötet. Frankreichs Präsident Francois Hollande, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und weitere Spitzenvertreter der Republik wollen am Sonntag mit Hinterbliebenen an den Anschlagsorten in Stille der Opfer gedenken.

„Vive le Bataclan“

Auch Sting begann seinen Auftritt vor rund 1.500 Gästen mit einer Schweigeminute. „Heute Abend haben wir zwei Aufgaben in Einklang zu bringen: Zunächst jener zu gedenken, die ihr Leben bei dem Anschlag verloren haben, und dann, das Leben und die Musik an diesem historischen Ort zu feiern“, sagte er auf Französisch. Sein erstes Lied „Fragile“ trieb vielen Zuhörern Tränen in die Augen. Doch mit seinem zweiten Song, „Message in a Bottle“ von seiner früheren Band Police, riss Sting sein Publikum mit.

Unter den Zuhörern waren neben Sting-Fans rund 250 Überlebende und Angehörige von Opfern. Auch Hidalgo, Kulturministerin Audrey Azoulay und die Sängerin Patricia Kaas waren im Saal. Der Musiker sang auch sein Lied „Inshallah“, das die Lage muslimischer Flüchtlinge thematisiert. Zum Ende seines Auftritts rief Sting „Vive le Bataclan“ und verließ die Bühne - um noch einmal zurückzukehren und „Empty Chair“ über den von Dschihadisten im Irak ermordeten US-Journalisten James Foley zu singen. „Ich widme diesen Song allen Familien hier, die jemanden verloren haben“, sagte er.

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