Frankreich: Juppe als „Vintage-Kandidat“ verspottet

Wieder einmal hat sich in Frankreich ein konservativer Präsidentschaftsanwärter als etwas lebensfremd erwiesen und dafür viel Spott kassiert: Ex-Premierminister Alain Juppe führte am Wochenende in einem Interview ausgerechnet eine „Verkäuferin von Prisunic“ als Beispiel an, um ein Argument zu untermauern. Dumm nur: Die Supermarktkette Prisunic gibt es seit fast 15 Jahren nicht mehr.

Im Internet wurde der 71-Jährige dafür schnell mit reichlich Spott bedacht: „Alain Juppe kauft in der Vergangenheit ein“, schrieb ein Nutzer des Kurznachrichtenportals Twitter, ein anderer bezeichnete den Bürgermeister von Bordeaux als „Vintage-Kandidaten“.

„Ich lebe in der wirklichen Welt“

Juppe, der ohnehin schon als wenig volksnah und etwas steif gilt, beteuerte im Sender RTL, er lebe keineswegs in einer Blase. „Ich lebe in der wirklichen Welt“, sagte der Politiker - und nannte wie zum Beweis eine Reihe von tatsächlich existierenden Supermarktketten. Er erledige seine Einkäufe selbst und stehe wie jeder andere Kunde auch in Geschäften Schlange.

Erst Ende Oktober hatte sich Juppes innerparteilicher Konkurrent Jean-Francois Cope blamiert, weil er den Preis der in Frankreich so beliebten Schokocroissants nicht nennen konnte. „Ich denke, das müsste vielleicht so bei zehn oder 15 Cent liegen“, sagte Cope auf eine entsprechende Frage - in Wirklichkeit kostet ein Pain au Chocolat beim Bäcker rund einen Euro.

Bei Frankreichs Konservativen wird an den beiden kommenden Sonntagen der Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2017 gewählt. Juppe ist Favorit vor Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy.