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Bedeutendes Signal an Märkte

Mit einem unerwartet klaren Schulterschluss wollen die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und die meisten anderen wichtigen Förderländer gemeinsam die Preise für Rohöl weiter nach oben treiben. Die OPEC und elf Nicht-OPEC-Länder einigten sich am Samstag in Wien auf eine weitere Kürzung der Ölförderung um 558.000 Barrel (je 159 Liter) am Tag.

Die nun zur Förderkürzung entschlossenen Länder repräsentierten mehr als die Hälfte der weltweiten Ölproduktion. Allein Russland als derzeit größter Ölproduzent der Welt will künftig täglich 300.000 Barrel weniger auf den Markt bringen. Mit entsprechenden Quoten beteiligen sich auch Länder wie Mexiko, Aserbaidschan, Kasachstan, Bahrain, Bolivien, Oman, der Sudan und Südsudan.

Einig wie noch nie

„Das ist ein wahrhaft historisches Ereignis“, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak. Noch nie habe es so eine breite Allianz von OPEC und weiteren Ölförderländern gegeben. Nowak sah auch die Möglichkeit einer langfristigen Kooperation von OPEC und der am Samstag in Wien vertretenen Nicht-OPEC-Gruppe. Die nun beschlossenen und ab Jahreswechsel wirksamen Förderkürzungen sollen von einem gemeinsamen Komitee aus fünf OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern überwacht werden.

Alexander Novak und Khalid Al-Falih

APA/AP/Ronald Zak

Nowak mit dem saudischen Energieminister Chalid al-Falih

Der Entschluss dürfte unmittelbare Folgen auf den Ölmarkt haben und für Preissteigerungen bei Treibstoffen, Heizöl und Gas sorgen. Schon als die OPEC zuletzt Ende November nur in ihrem Mitgliederkreis eine Förderkürzung beschloss, stieg der Preis etwa von Nordsee-Öl der Sorte Brent um rund 15 Prozent auf fast 55 Dollar (52 Euro) pro Barrel. Entscheidender als die Mengenreduktion dürfte nun aber das Signal sein, dass die Ölförderländer wirklich an einem Strang ziehen.

Ende der Dumpingpreise

Die OPEC-Fördermenge soll um 1,2 Mio. Barrel täglich gekürzt werden und dann bei 32,5 Mio. Barrel pro Tag liegen. Verglichen damit nehmen sich die 558.000 Barrel, auf die die Nicht-OPEC-Länder nun zusätzlich pro Tag verzichten wollen, bescheiden aus. Der Beschluss steht jedoch für eine Wende auf dem Ölmarkt: Die OPEC selbst hatte sich zum letzten Mal 2008 auf eine Förderkürzung geeinigt. Seit einer Einigung zwischen OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern sind sogar schon 15 Jahre vergangen.

Eingang zum OPEC-Gebäude

APA/AP/Ronald Zak

Das OPEC-Gebäude in Wien am Samstag

Eine Rückkehr zu Preisen von 115 Dollar pro Barrel wie 2014 scheint aus der Sicht von Analysten ausgeschlossen. Noch für lange Zeit ist dafür viel zu viel Öl auf dem Markt. Tiefstpreise wie jene von unter 30 Dollar pro Barrel wie zu Jahresanfang gehören aber wohl ebenso der Vergangenheit an. Manche Experten glauben allerdings daran, dass die Einigung nur so lange halten wird, bis sich der Ölpreis einigermaßen erholt hat.

Schmerzgrenze für Förderländer erreicht

In der OPEC haben sich in der Vergangenheit nicht immer alle Länder an die vereinbarten Quoten gehalten. Der gesunkene Preis hat inzwischen aber so tiefe Löcher in die Haushalte vieler Förderländer gerissen, dass ihnen die Disziplin leichter fallen dürfte. Zum Gutteil beruhte der Preissturz auf dem Plan der OPEC, die US-Schieferölförderung durch tiefe Preise zu ruinieren. Dazu kam noch sinkende Nachfrage aufgrund der schwächelnden Wirtschaft.

Russland hatte vor 15 Jahren sein Versprechen zur Reduzierung der Fördermenge nicht eingehalten. Beobachter gehen aber davon aus, dass Russland diesmal seine Produktion wirklich drosselt. „Alle freuen sich über höhere Preise, und anfangs werden sie sich auch an die Vereinbarung halten“, sagte Gary Ross vom Beratungsdienst PIRA Energy. Wenn der Ölpreis dann aber weiter steige, dürfte die Verpflichtung nachlassen.

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