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Währungschaos lähmt das ganze Land

Wegen anschwellender Proteste und Plünderungen in mehreren Teilen des Landes hat Präsident Nicolas Maduro zunächst für ungültig erklärte Geldscheine wieder freigegeben. Mit dem Beschluss vom Samstagabend bleibt die tags zuvor wertlos gewordene 100-Bolivar-Banknote nun doch bis zum 2. Jänner nutzbar.

Die meistverwendete Banknote in dem unter einer Hyperinflation leidenden Ölstaat war am Freitag offiziell aus dem Verkehr gezogen worden. Die Ausgabe der neuen 500-Bolivar-Scheine hatte sich aber verzögert, immer mehr Menschen verfügten über kein Bargeld mehr, auch Bankomaten waren leer. „Außer Betrieb“ war auf den Bildschirmen zu lesen. In den vergangenen Tagen bildeten sich deswegen lange Schlangen vor den Banken.

Gewalt bei Plünderungen, Polizisten attackiert

In mehreren Orten kam es zu Protesten und Plünderungen von aufgebrachten Menschen: Einem Bericht der Zeitung „El Nacional“ zufolge rief der Bürgermeister der Gemeinde Sifontes im südlichen Bundesstaat Bolivar den Ausnahmezustand aus, nachdem Geschäfte geplündert worden waren. In der Bergarbeiterstadt Callao im Süden des Landes gab es Tote. In Maracaibo, der zweitgrößten Stadt des Landes, sollen Polizisten attackiert worden sein.

Menschen vor einer Bank

APA/AFP/George Castellanos

Hunderte Menschen wollen Geld umtauschen - Problem: die Banken warten auf neue Scheine

Venezuela leidet unter der höchsten Inflationsrate der Welt - deshalb soll es künftig Scheine im Wert von 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 und 20.000 geben. Keine dieser Einheiten haben die Banken bis dato erhalten. Bei den Geldinstituten waren auch die Lieferungen der 500-Bolivar-Scheine aus Druckereien in den USA und Großbritannien nicht rechtzeitig eingetroffen, wie es aus Bankenkreisen hieß.

Maduro sieht „internationalen Sabotageakt“

Präsident Maduro sprach im Fernsehen von einem „internationalen Sabotageakt“. Im Ausland seien Flugzeuge, die mit den neuen Geldscheinen für Venezuela beladen gewesen seien, zum Umsteuern gezwungen worden. Die Regierung habe aber bereits neue Lieferungen organisiert.

Demonstranten in San Cristobal

APA/AFP/George Castellanos

Die Proteste verteilten sich über das ganze Land, hier in San Cristobal

Die 100er-Scheine machten bis dato fast die Hälfte des sich im Umlauf befindlichen Bargeldes aus. Die Banknote ist allerdings kaum etwas wert - wegen Versorgungskrisen haben selbst die simpelsten Güter des alltäglichen Lebens hohe Preise. Selbst kleine Anschaffungen werden in Venezuela mit dicken Geldbündeln bezahlt.

600 bis 700 Prozent Inflation

De facto leidet das erdölreichste Land der Welt aufgrund von Misswirtschaft, Korruption, niedrigen Erdölpreisen und Devisenmangel seit Monaten an einer schweren Versorgungskrise. Die Regierung macht keine Angaben zur Teuerungsrate, aber Experten rechnen mit 600 bis 700 Prozent Inflation im laufenden Jahr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet 2017 sogar eine Inflationsrate von mehr als 1.600 Prozent.

Hunderte Venezolaner überquerten inzwischen die Grenze zu Kolumbien, obwohl die Regierung in Caracas den Grenzdurchgang geschlossen hatte. Die Menschen durchbrachen die Absperrungen der Sicherheitskräfte, wie der Sender Caracol Radio berichtete. Die venezolanische Regierung hatte die Grenzschließung mit dem Kampf gegen Schmuggler begründet.

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