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Unterscheidungsmerkmal Forschung

Der Wissenschaftsrat wünscht sich eine engere Definition des Universitätsbegriffs. Empfohlen wird die Einführung von „Privathochschulen“ zum Schutz der Bezeichnung Universität. Die derzeit im Privatuniversitätengesetz (PUG) definierten Mindestanforderungen für den Typus Universität seien „zu niedrig angesetzt“, konstatierte der Rat am Mittwoch in einer Stellungnahme.

Die Bezeichnungen „Universität“ und „Fachhochschule“ sollten vor einer beliebigen Vergabe geschützt werden. „Die oft als willkürlich erscheinende Zusammensetzung von Fakultäten oder einzelnen Studiengängen, die, ein Ausbildungspotpourri darstellend, als Privatuniversität akkreditiert wurde, erfordert eine erneute Bestimmung von Charakteristika und Aufgaben einer Bildungseinrichtung, die sich ‚Universität‘ nennen darf“, stellt der Rat fest.

Mehr Praxis, weniger Forschung

In Österreich gibt es laut dem Wissenschaftsministerium aktuell 34 Universitäten, zwölf davon in privater Hand. Zudem werden mittlerweile 21 Fachhochschulen betrieben. Der Hochschultyp Universität für sämtliche privaten hochschulischen Bildungseinrichtungen „wird in einigen Fällen weder den Ansprüchen an eine Universität noch den Bedürfnissen privater Träger gerecht, die aus guten Gründen ein auf die Lehre fokussiertes und praxisnahes Ausbildungskonzept wünschen“.

Deshalb will der Rat neben der Privatuniversität den Typus „Privathochschule“ einführen: Er soll jene privaten Einrichtungen abdecken, die „weniger auf Forschung als auf Lehre und praktische Ausbildung abzielen“. Festgelegt werden sollte der Typus durch die Akkreditierungsbehörde.

Was als „Privathochschule“ gelten soll

Voraussetzung für eine „Privathochschule“ seien eine kritische Masse von Studierenden und eine entsprechende Zahl von fest angestelltem, habilitiertem oder gleichwertig akademisch qualifiziertem Lehrpersonal.

Universitäten hätten in diesem Zusammenhang darüber hinaus als zentrale Aufgaben die Forschung im Grundlagenbereich, die forschungsgeleitete Lehre, die wissenschaftliche Pflege der Fächer und Disziplinen sowie die Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, heißt es an anderer Stelle. Die genauen Anforderungen an die beiden Typen sollten gesetzlich definiert werden, fordert der Rat.

Eingeschränktes Promotionsrecht

Konsequenzen hätte diese Unterscheidung etwa für das Promotionsrecht und das Studienangebot. „Künftig sollte es nur Privatuniversitäten mit universitären Qualitätsnachweisen in Bezug auf das Curriculum (forschungsgeleitete Lehre) und auf das Lehrpersonal (Habilitation oder gleichwertige akademische Qualifikation) möglich sein, Doktoratsstudien anzubieten“, empfiehlt der Wissenschaftsrat.

Ein ähnlicher „Universitätsvorbehalt“ sei auch für andere Studien zu diskutieren, bei denen wegen gesetzlich definierter Berufsprofile Qualitätsmanagement und -kontrolle besonders intensiv und effektiv gestaltet werden müssten. Als Beispiele nennt der Rat Humanmedizin, Pharmazie und Jus. Zu den universitären Qualitätsansprüchen zählten auch „nachweislich qualitätsgesicherte Berufungsverfahren“.

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