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Dutzende Arbeiter festgenommen

Mindestens 1.500 Textilarbeiter sind laut der Polizei von ihren Fabriken gekündigt worden, nachdem mehrere Zulieferer für westliche Modemarken nach einem Streik etwa eine Woche lang schließen hatten müssen. Rund 50 Protestführer müssen sich laut der Gewerkschaft nun verstecken.

Die Textilarbeiter in Ashulia, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, hatten zunächst aus Protest gegen die Kündigung Dutzender Kollegen gestreikt, dann aber auch mehr Lohn gefordert. Dort wird in rund 400 Fabriken unter anderem für die Modemarken H&M, Zara und Gap genäht.

Polizei sah illegale Proteste

Die Polizei stufte die Arbeitsniederlegungen als illegal ein und nahm mit der Hilfe von paramilitärischen Truppen 30 Arbeiter und Gewerkschaftsvertreter ebenso fest wie einen Fernsehreporter, der über die Ereignisse berichtete. Dabei wurden laut Angaben des Gewerkschaftsführers Taslima Akther gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“ auch zehn Menschen durch Gummigeschoße verletzt.

Die Gewerkschaft sieht eine wesentlich höhere Zahl von Kündigungen. Laut ihr wurden bis zu 3.500 Arbeiter gekündigt. Dutzende Anführer der Proteste müssten sich nun verstecken. Laut Akhter hat die Polizei für die Verhaftungen auf ein kontroversielles Gesetz aus der Kriegszeit zurückgegriffen, das Bedrohungen des Staates verhindern soll.

„90 Prozent wieder am Werk“

„Alle Fabriken haben die Arbeit wieder aufgenommen. Rund 90 Prozent der Arbeiter sind wieder am Werk“, sagte ein Polizeisprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Laut dem „Guardian“ erfuhren viele Betroffenen erst am nächsten Tag durch ausgehängte Listen von ihren Kündigungen.

Akther zufolge bangen die betroffenen Arbeiter nun um ihre Lebensgrundlage: „Wenn ein Arbeiter von einem Fabriksbesitzer gekündigt oder suspendiert wird, bekommen die Betroffenen nur noch schwer einen Job. Die Besitzer fertigen eine Liste mit Namen und Fotos an und geben die Daten an andere Fabriksbesitzer in der Gegend weiter. Sie bekommen nie mehr Jobs in diesem Umkreis.“

Lohnerhöhung gefordert

Die Arbeiter forderten eine Erhöhung ihres Mindestlohns von 5.300 Taka (rund 64 Euro) pro Monat auf 16.000 Taka (rund 195 Euro). Der Lohn für Textilarbeiter wurde seit 2013 nicht mehr erhöht. Damals stürzte eine Textilfabrik in Sabhar nordwestlich von Dhaka ein. Rund 1.100 Menschen wurden getötet, 2.400 weitere verletzt.

Eingestürzte Fabrik in Bangladesch

Reuters/Andrew Biraj

Der Fabrikseinsturz im Jahr 2013

Die Textilarbeiter in Bangladesch gehören aber weiterhin zu den weltweit am niedrigsten bezahlten. Sie arbeiten zudem oft unter menschenfeindlichen und gefährlichen Arbeitsbedingungen - auch Kinder.

Gleichzeitig macht der Export von Kleidung und Schuhen aus den rund 4.500 Textilfabriken laut „Guardian“ rund 80 Prozent des Exportvolumens des Landes aus. Das Land ist der größte Kleidungsproduzent auf der Welt nach China. Immer wieder werden angesichts der unmenschlichen Arbeitsverhältnisse in den Billiglohnländern Rufe nach mehr Nachhaltigkeit in der Textilproduktion laut. Allerdings achten laut einer Studie von Greenpeace nur 25 Prozent der Konsumenten beim Kleidungskauf auf die Nachhaltigkeit.

Impulskäufe meiden

Zusätzlich gibt es beim Kauf reichlich Stolpersteine. Gütesiegel geben nur bedingt Auskunft über die tatsächlichen Produktionsbedingungen eines Kleidungsstücks. Auch die Herkunft, der Preis oder die Qualität sind meist kein Indikator für gute Produktionsbedingungen. Einer Textilie sieht man nicht an, wie sie hergestellt worden ist", sagt Christiane Schnura von der deutschen Kampagne für Saubere Kleidung.

Greenpeace rät dazu, sich vor einem Kauf gut zu überlegen, ob das Kleidungsstück tatsächlich benötigt wird, oder es sich nur um einen Impulskauf handelt. Empfohlen wird, Second-Hand-Stücke zu kaufen, Kleidung zu tauschen, Schäden zu nähen oder auf Marken mit Bewusstsein für Nachhaltigkeit zurückzugreifen. So kann der Kauf eines lokal produzierten Kleidungsstücks zwar teurer, dafür aber nachhaltiger und fairer sein.

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