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Dauerfrost und Schneestürme

Bis zu 40 Zentimeter Neuschnee in Istanbul, Dauerfrost von Griechenland bis Lettland: Auch am Samstag hat eine Kaltfront weite Teile Europas fest im Griff. Die eisigen Temperaturen sorgen vielerorts für chaotische Zustände und haben bereits mehrere Kältetote gefordert.

In Istanbul wurde wegen des ungewohnt starken Wintereinbruchs ein Krisenzentrum eingerichtet. Die heftigen Niederschläge bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt brachten den Verkehr teilweise zum Erliegen. An den beiden internationalen Flughäfen der türkischen Metropole wurden am Samstag 500 Flüge gestrichen. Die Küstenwache stoppte zudem den Fährverkehr auf dem Bosporus, der zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil der Millionenmetropole liegt.

Schnee in Istanbul

Reuters/Osman Orsal

Ungewohnte Bilder kamen am Samstag aus Istanbul

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sei die Sichtweite in der Meerenge zeitweise unter 100 Meter gefallen. Eine Kaltfront hatte bereits am Freitag zu einem Temperatursturz in der Stadt geführt. Am Abend hatte zusätzlich zu stürmischem Wind dichter Schneefall eingesetzt, der den Vorhersagen zufolge noch den Samstag über andauern sollte. Auch in den kommenden Tagen müssen sich die Einwohner Istanbuls laut Wettervorhersage auf Minusgrade einstellen.

Scheechaos am Bosporus

Ein Schneesturm hat Istanbul in eine Schneelandschaft verwandelt. Was folgte, waren schwere Verkehrsbehinderungen.

Schnee auch in der Ägäis

Klirrende Kälte und Schneefall machen auch den Menschen rund um die Ägäis das Leben schwer. In Nordgriechenland herrscht seit Freitag Dauerfrost. Die Thermometer in der Hafenstadt Thessaloniki zeigten am Samstag minus sieben Grad. Zahlreiche Landstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar, wie die Polizei mitteilte. Auch im Zentrum Athens herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt.

In den Provinzen Epirus, Makedonien und Thrakien wurden minus 14 Grad gemessen. Ungewöhnlich stark schneite es auf den nördlichen Ägäis-Inseln und den Sporaden, wie das amtliche Fernsehen berichtete. Die Städte haben beheizte Hallen und U-Bahn-Stationen geöffnet, damit keine Obdachlosen erfrieren. Wärmer soll es erst Mitte der kommenden Woche werden, erwartete das Wetteramt.

Ganz Italien im „Griff polarer Kälte“

Einer der schwersten Wintereinbrüche seit vielen Jahren sorgt auch in weiten Teilen Italiens für chaotische Zustände. Zu heftigen Schneefällen kam es vor allem im Süden des Landes. Die Adria-Hafenstädte Bari und Brindisi waren Samstag in der Früh verschneit. Angezuckert präsentierte sich auch das „Tal der Tempel“ in Agrigento auf Sizilien.

In der süditalienischen Region Basilikata werden die Schulen nach der Weihnachtspause am Montag nicht öffnen. Einige Gemeinden in der Apennin-Region Molise waren ohne Strom und Wasser. Die Straßen waren blockiert, die Temperaturen sanken auf minus zehn Grad. Ganz Italien befinde sich im „Griff polarer Kälte“, schrieben italienische Medien. Mindestens sieben Menschen, darunter mehrere Obdachlose, seien den Angaben zufolge der Kältewelle zum Opfer gefallen.

Tote Flüchtlinge an bulgarisch-türkischer Grenze

Auch aus anderen Ländern wurden Todesopfer gemeldet. In Lettland starben seit Silvester elf Menschen an den Folgen der eisigen Kälte. Unter den Opfern seien mehrere Obdachlose und ein 86-jähriger Mann, der tot in seinem Haus in Riga aufgefunden wurde, berichtete die Agentur LETA. In der tschechischen Hauptstadt Prag wurde unter einer Brücke die Leiche eines Obdachlosen gefunden. In der Gemeinde Hradistko in Mittelböhmen brachen zudem zwei Männer auf dem Eis eines Sees ein. Für einen der beiden kam die Hilfe der Rettungskräfte zu spät.

In einem Wald im verschneiten Gebirgsmassiv Strandscha im Südosten Bulgariens fanden Dorfbewohner die Leichen von zwei Irakern, wie die Polizei in der Regionalhauptstadt Burgas mitteilte. Die beiden Männer seien 28 und 35 Jahre alt gewesen. Am Montag war in der an der türkischen Grenze gelegenen Gegend bereits eine somalische Frau tot aufgefunden worden.

Das Strandscha-Massiv ist der einzige Teil der Grenze, der nicht durch Stacheldrahtzäune abgeriegelt wurde. Die Grenzzäune waren 2015 wegen des massiven Andrangs von Flüchtlingen, insbesondere aus dem Bürgerkriegsland Syrien, errichtet worden.

Minus 40 Grad in Moskau

Bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad sind auch in Polen mehrere Menschen ums Leben gekommen. Regierungsangaben zufolge starben in den vergangenen zwei Tagen mindestens zehn Menschen an den Folgen der Kältewelle. Damit stieg die Zahl der Kältetoten seit November auf 53. Der Frost stellt vor allem für Obdachlose eine Gefahr dar. Polnische Behörden warnten aber auch vor dem Heizen mit veralteten Öfen und Ventilationssystemen: Seit Beginn der kalten Jahreszeit starben in dem Land 24 Menschen an Kohlenmonoxid-Vergiftungen.

Schnee in Litauen

APA/AP/Mindaugas Kulbis

Jogger trotzen in Vilnius der Kälte

Sibirische Kälte mit Temperaturen um minus 25 Grad wurde Samstagfrüh unter anderem in der litauischen Hauptstadt Vilnius gemessen. In der russischen Hauptstadt Moskau wurden am Samstag sogar Temperaturen von bis zu 40 Grad minus erwartet. Das Ministerium für Katastrophenschutz empfahl den Bewohnern und Touristen aus diesem Grund, sich nicht länger als notwendig im Freien aufzuhalten und „lange Aufenthalte auf der Straße dringlichst zu vermeiden“.

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