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Polizeichef: Attentäter aus Ostjerusalem

Bei einem Anschlag mit einem Lastwagen in Jerusalem sind am Sonntag mindestens vier Menschen getötet und 13 Menschen teils schwer verletzt worden. Der Fahrer habe absichtlich mehrere Menschen gerammt, teilte die Polizei mit.

Laut Polizeiangaben starben drei Frauen und ein Mann - alle zwischen 20 und 30 Jahre alt. Der Anschlag ereignete sich in der Nähe der beliebten Armon-Hanatziv-Promenade. Der Lastwagenfahrer sei in eine Gruppe von Soldaten gefahren, die gerade aus einem Autobus gestiegen waren, teilte eine Polizeisprecherin mit. Auch der Lkw-Fahrer wurde getötet.

Lkw mit Einschusslöchern

APA/AFP/Menahem Kahana

Die Polizei sperrte den Tatort ab

Laut Angaben der israelischen Regierung war der Täter ein Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). „Wir kennen die Identität des Attentäters, und nach allen Anzeichen handelt es sich um einen Anhänger des Islamischen Staats“, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er sieht auch mögliche Parallelen zu ähnlichen Attacken in Europa. Man werde eine Reihe von Schritten unternehmen, „um sicherzustellen, dass solche Vorfälle sich nicht wiederholen“, sagte Netanjahu.

Polizei: Keine Warnung vor Anschlag

Die Polizei sperrte den Ort des Anschlags ab. Verletzte wurden von Rettungskräften behandelt. Der mutmaßliche Täter stamme aus der arabischen Nachbarschaft in Ostjerusalem, sagte kurz nach dem Anschlag Polizeichef Roni Alscheich. Es habe keine konkreten Warnungen vor einem Anschlag gegeben. Soldaten hätten schnell reagiert und den Attentäter erschossen. Er sei aus dem benachbarten palästinensischen Viertel Dschabel Mukaber gekommen, berichtete das Fernsehen.

Über weitere Details der Ermittlungen sei eine Nachrichtensperre verhängt worden, so der Polizeichef weiter. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet sei an der Untersuchung beteiligt. Der Polizeichef wollte nicht sagen, ob der Lastwagen dem Attentäter gehörte oder ob er ihn vor dem Anschlag gestohlen hatte. Er wollte sich auch nicht dazu äußern, ob man davon ausgehe, dass der Täter allein handelte. Ein Sprecher der im Gazastreifen herrschenden Hamas begrüßte den Anschlag, die Organisation bekannte sich aber nicht zu der Tat.

Eingeklemmte Menschen mit Kran befreit

Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes Zaka sagte, den Sanitätern habe sich am Ort des Anschlags ein schlimmer Anblick geboten. Einige der Opfer, darunter auch Tote, waren unter dem Lastwagen eingeklemmt. Sie mussten mit einem Kran befreit werden. Der Zaka-Mitarbeiter sagte dem israelischen Fernsehen, es handle sich um „den schlimmsten Anschlag mit einem Fahrzeug, den wir in der letzten Zeit in Jerusalem gesehen haben“.

Der Stadtteil Armon Hanatziv liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine „ewige, unteilbare Hauptstadt“. In dem Stadtteil war es seit Beginn der neuen Gewaltwelle im Herbst 2015 immer wieder zu Anschlägen gekommen. In den vergangenen Monaten kam es vor allem zu Messerattacken von Palästinensern gegen israelische Sicherheitskräfte.

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