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Lösung für Tausende nicht in Sicht

Seit Tagen müssen viele Menschen in Griechenland frieren - klirrende Kälte und immer neuer Schnee haben das Land fest im Griff. Betroffen sind heuer auch Orte, an denen es bereits seit Jahrzehnten nicht mehr geschneit hat. Dazu zählen auch mehrere Inseln, auf denen Flüchtlinge in Zelten auf ihren Asylbescheid warten - unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Betroffen ist etwa das Lager Moria auf der Insel Lesbos, wo Flüchtlinge bereits seit Tagen unter dem Wintereinbruch leiden. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) müssten dort mehr als 2.500 Menschen ohne Heizung und ohne heißes Wasser in Zelten leben. Auf der Insel Samos sind mindestens 300 Menschen betroffen, auch von den Inseln Kos, Lereos und Chios kommen Berichte über menschenunwürdige Bedingungen.

„Abscheulich“

Insgesamt sitzen derzeit mindestens 15.000 Flüchtlinge auf den griechischen Inseln fest - rund 11.000 warten auf die Bearbeitung ihres Asylbescheids. Das Migrationsministerium machte zu Wochenbeginn die Kommunalverwaltungen für die Missstände verantwortlich. Der Griechenland-Koordinator von MSF, Clement Perrin, erklärte, es sei „abscheulich“, dass die Menschen „trotz der Versprechungen und Ankündigungen der EU bei eisigen Temperaturen immer noch in Zelten leben“.

Flüchtlinge in einem Camp auf Lesbos

APA/AFP

Auf der Insel Lesbos müssen etwa 2.500 Menschen unter unwürdigen Verhältnissen leben

Fast jeder zweite Flüchtling betroffen

Nach Angaben des griechischen Migrationskrisenstabes betrifft dies knapp die Hälfte der 15.560 Flüchtlinge. Ungeachtet der Verhältnisse in den überfüllten Lagern haben seit Jahresbeginn bisher 337 Flüchtlinge von der türkischen Küste zu den griechischen Inseln übergesetzt. Allein am Dienstag kamen nach amtlichen Angaben 41 Menschen auf der Insel Kos an.

Etliche Dörfer und auch Inseln sind nach schweren Schneefällen seit zwei Tagen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Einwohner sind stark betroffen: Oft gebe es keine Stromversorgung und damit auch kein Wasser und keine Heizung mehr, weil Pumpen nicht betrieben werden könnten oder Wasserrohre zugefroren seien, wie es heißt. Auf der Insel Euböa lag der Schnee selbst in Küstenregionen meterhoch aufgetürmt.

Erneut minus 15 Grad auf Kreta

Auch die Inselgruppe der Sporaden in der nördlichen Ägäis ist stark betroffen: Die etwa 2.800 Bewohner von Alonnisos haben seit dem Wochenende keinen Strom und kein Telefonnetz. Wegen der Schneelast waren mehr als 100 Bäume umgestürzt, dabei wurden Oberleitungen zerstört. Selbst auf Kreta weit im Süden des Landes sanken die Temperaturen in der Nacht auf Dienstag auf rekordverdächtige minus 15 Grad ab.

Blick auf die verschneite Akropolis in Athen

APA/AFP/Louisa Gouliamaki

In der Nacht auf Dienstag lag auch in Athen Schnee - hier der Blick auf die Akropolis

Schnee auf der Akropolis

Hafenstädte wie Rethymno, Chania und Heraklion waren seit Jahrzehnten erstmals tief verschneit. Seit Dienstag ist auch Athen betroffen. Wie das griechische Fernsehen berichtete, schneite es im Zentrum der Stadt heftig und auf dem Wahrzeichen der Stadt, der Akropolis, lag Schnee. Schulen blieben auch am Dienstag geschlossen. Mit einer Wetterbesserung und einem Anstieg der Temperaturen auf Werte um 14 Grad wurde am Donnerstag gerechnet.

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