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„Alle haben noch Arbeit zu leisten“

US-Präsident Barack Obama hat sich mit einer engagierten und emotionsgeladenen Rede nach acht Jahren im Weißen Haus von seinen Landsleuten verabschiedet. „Es war die größte Ehre meines Lebens, euch zu dienen“, sagte Obama bei seiner zehn Tage vor der Amtsübergabe in Chicago gehaltenen Abschiedsrede, die Obama mit „Yes we can“ und damit dem seit seinem ersten Wahlkampf berühmt gewordenen Slogan beendete.

Zuvor forderte der erste schwarze Präsident der US-Geschichte dazu auf, die Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen in den USA endgültig zu beseitigen. „Wir sind noch nicht dort, wo wir hin wollen“, sagte Obama vor Tausenden Zuhörern. „Alle haben noch Arbeit zu leisten.“ Das gelte nicht nur für die weiße Bevölkerungsmehrheit. Auch die Schwarzen müssten hinschauen und zuhören und anerkennen, dass die weiße Mittelschicht ihre Probleme habe. „Wir müssen in die Haut des anderen schlüpfen“, sagte er. „Große Ungleichheit höhlt unsere demokratischen Ideale aus.“

Barack Obama wischt eine Träne weg

APA/AP/Charles Rex Arbogast

Obama waren die Emotionen anzusehen

Rosen für Biden und Ehefrau

Obama richtete während seiner Abschiedsrede emotionale Worte an seine Ehefrau Michelle, seine beiden Töchter sowie an Vizepräsident Joe Biden, den er als „Bruder“ bezeichnete. „Dich habe ich als Erstes nominiert, und es war meine beste Entscheidung“, sagte Obama vor den Augen des sichtlich gerührten Biden.

Obama widmete seine nach Angaben aus dem Weißen Haus selbst geschriebene Abschiedsrede der Demokratie, die es zu verteidigen gelte. „Wir sollten vorsichtig sein, aber wir dürfen uns nicht fürchten“, rief er. Terroristen könnten Menschen töten, aber nicht ein Land wie Amerika in Gefahr bringen - es sei denn, das Land lasse von seinen Werten ab. „Wir als Volk, mit den Mitteln unserer Verfassung, können eine bessere Union bilden.“ Demokratie sei aber kein Geschenk, sie müsse ständig neu geformt werden.


Barack Obama und Michelle Obama

APA/AP/Pablo Martinez Monsivais

Barack und Michelle Obama umarmen einander

Aufruf zu friedlichem Wechsel

Obama rief zur Geschlossenheit über politische Differenzen hinweg auf und forderte einen friedlichen Wechsel von „einem frei gewählten Präsidenten zum nächsten“. Er warnte seine Landsleute davor, sich in ihre jeweiligen „Blasen“, also abgeschlossene Welten, zurückzuziehen. Dieser Trend stelle eine „Bedrohung“ für die Demokratie dar. Zunehmend würden die Menschen dann nur noch solche Informationen akzeptieren - ob sie wahr seien oder nicht -, die zu ihren Meinungen passten.

„Ohne die Bereitschaft, neue Information zuzulassen und zuzugestehen, dass unser Kontrahent einen berechtigten Punkt macht und dass Wissenschaft und Vernunft von Bedeutung sind, werden wir weiter aneinander vorbeireden“, mahnte Obama. Konsens und Kompromiss würden so unmöglich. Probleme einfach totzuschweigen widerspreche den Grundsätzen der Verfassung.

Bilanz der Erfolge

Obama erwähnte die Errungenschaften seiner Präsidentschaft. Seine Regierung habe 20 Millionen Menschen mehr eine Sozialversicherung gebracht, mit Osama bin Laden den gefährlichsten Terroristen der Welt unschädlich gemacht und eine Atommacht Iran verhindert, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern. „Amerika ist ein besserer, stärkerer Ort als zu der Zeit, als wir angefangen haben“, sagte er. „Ihr müsst die Werte hochhalten, die uns zu dem machen, was wir sind“, forderte Obama von seinen Landsleuten.

Barack Obama mit Fans im Publikum

APA/AP/Pablo Martinez Monsivais

Viele wollten sich persönlich von Obama verabschieden

Mit seinen mahnenden Worten spielte der nach acht Jahren aus dem Amt scheidende Präsident auf den erbittert geführten Wahlkampf um das Weiße Haus an, der die politische und gesellschaftliche Polarisierung des Landes verstärkt hat. Viele demokratisch gesinnte US-Bürger, besonders die Angehörigen von Minderheiten, blicken der anstehenden Präsidentschaft des rechtspopulistischen Immobilienmilliardärs Donald Trump mit großer Sorge entgegen. Die Machtübergabe im Weißen Haus findet am Freitag nächster Woche statt.

Michelle Obama: Größte Ehre meines Lebens

Die scheidende First Lady Michelle Obama hatte bereits am Freitag in einer emotionalen Rede Abschied vom Weißen Haus genommen. „First Lady zu sein war die größte Ehre meines Lebens, ich hoffe, Ihr wart stolz auf mich“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme. Die Jugend rief sie auf, keine Angst vor der Zukunft zu haben und für ihre Freiheiten einzustehen.

Junge Menschen sollten wissen, „dass dieses Land euch allen gehört, woher und aus welcher Gesellschaftsschicht ihr auch kommt“. Sie fügte hinzu: „Wenn eure Eltern Migranten sind, seid euch im Klaren, dass ihr Teil einer Tradition seid, auf die Amerika stolz ist.“ Auch die „religiöse Vielfalt“ sei eine „große amerikanische Tradition, ob ihr Muslime, Christen, Juden, Hindus oder Sikhs seid“.

Kritik an Trump im Wahlkampf

Mit „viel harter Arbeit und guter Bildung“ sei „alles möglich“ - auch Staatsoberhaupt zu werden. Das sei es, worum es beim „amerikanischen Traum“ gehe, sagte Obama, die in ärmlichen Verhältnissen in Chicago aufwuchs und Jus an den renommierten Universitäten Princeton und Harvard studierte. Die 52-Jährige kündigte an, dass sie sich auch nach ihrem Abschied aus dem Weißen Haus weiter um die Bildung von Mädchen kümmern werde.

Während des Wahlkampfs hatte Michelle Obama Trump immer wieder wegen seiner Angriffe auf Einwanderer und Minderheiten scharf kritisiert, unvergessen bleibt auch ihre Rede im Oktober zu Trumps „schreckenerregender“ Haltung Frauen gegenüber.

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