Neuer Anlauf für flexiblere Arbeitszeit

In den kommenden Tagen gibt es einen neuen Anlauf für die Verhandlungen über die Arbeitszeitflexibilisierung. Die Unternehmer wollen die tägliche Arbeitszeit bei Großaufträgen seit Langem von zehn auf bis zu zwölf Stunden ausweiten, ohne Überstunden zahlen zu müssen. Arbeiter und Gewerkschaft sind skeptisch. Der Präsident der Arbeiterkammer (AK), Rudolf Kaske, fürchtet „massive Verluste für die Arbeitnehmer“.

Kaske: 1,5 Mrd. Euro Einkommensverlust

Derzeit machten die österreichischen Arbeitnehmer 200 Mio. Überstunden, rechnete Kaske im Ö1-Morgenjournal heute vor. Fielen die Überstundenzuschläge weg, bedeutete das einen Einkommensverlust von 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro für die Arbeitnehmer. Das würde auch der Wirtschaft schaden, da die Arbeitnehmer Kaufkraft verlören.

Die Arbeitszeiten seien schon jetzt sehr flexibel, so Kaske. Dass Aufträge nicht erledigt werden könnten, glaubt der AK-Präsident nicht. Die Flexibilisierung sei „kein Wunschkonzert der Arbeitgeber“, Beschäftigte müssten weiterhin etwa genug Ruhezeiten haben.

„Genug Verhandlungsmasse“

Für die anstehenden Verhandlungen über die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die die Regierung an die Sozialpartner ausgelagert hat, ist Kaske dennoch zuversichtlich. Es gebe genug Verhandlungsmasse. Kaske erinnerte daran, dass die AK etwa ein Qualifizierungsgeld bzw. eine Qualifizierungswoche vorgeschlagen habe.

Foglar: Zwölf Stunden Arbeit schon möglich

„Wir haben ja unzählige Fälle und Möglichkeiten, wo jetzt schon auf gesetzlicher und kollektivvertraglicher Basis Arbeiten bis zu zwölf Stunden nicht nur möglich ist, sondern auch tatsächlich geleistet wird“, sagte ÖGB-Chef Erich Foglar heute. Für die Gewerkschaft sei aber klar: „Zwölf Stunden müssen die Ausnahme bleiben.“ Und: „Ein Rückgang der Entlohnung ist sicher nicht akzeptabel.“

Leitl: „Menschen wollen Wahlfreiheit“

Der Chef der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, sagte im Ö1-Mittagsjournal, dass man über Zuschläge am Ende der Verhandlungen reden müsse. 70 Prozent der Arbeitnehmer seien für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, um Aufträge zu erledigen. „Die Menschen haben ein Bedürfnis nach Wahlfreiheit“, sei es bezüglich mehr Zeit für die Kinderbetreuung im Sommer, Weiterbildung oder Einkommen. Man müsse alle in fairer Weise berücksichtigen.

„In keiner Weise nachvollziehbar“ und „polemisch“ seien die von Kaske genannten 1,5 Mrd. Euro, die Arbeitnehmer durch den Wegfall von Überstundenzuschlägen verlieren würden. Es sei der Sozialpartner nicht würdig, vor Beginn der Verhandlungen solche Zahlen zu nennen. Er wolle auch nicht auf den drohenden Verlust von 20.000 Arbeitsplätzen verweisen, auch wenn diese Gefahr bestehe. Auch rede niemand über die Mehrkosten für die Wirtschaft durch einen Mindestlohn von 1.500 Euro.