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Die Bürger des jüngsten EU-Mitglieds Kroatien verlassen wegen sozialer und wirtschaftlicher Probleme massenweise ihre Heimat. Allein in den dreieinhalb Jahren seit dem EU-Beitritt wanderten laut einem jüngsten Bericht der kroatischen Zeitung „Jutarnji list“ 200.000 Menschen aus dem kleinen Adria-Land aus. Das waren fast fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.

180.000 von ihnen hätten sich Deutschland als neue Heimat ausgesucht. Unter den Ausgewanderten stellten diejenigen mit Hochschulbildung die klare Mehrheit, hieß es weiter. Da die Zahlen weiter sprunghaft stiegen, könnte das Land in zehn Jahren 800.000 Bürger verlieren, schrieb das Blatt unter Berufung auf Berechnungen heimischer Demografen.

Grund für geringere Arbeitslosigkeit

Experten sehen die Emigration auch als Hauptfaktor für den Rückgang der Arbeitslosigkeit. Kroatien verzeichnete laut Eurostat im Vorjahr den höchsten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Das Minus war deutlich: In dem 4,2-Millionen-Einwohner-Land sank die Zahl der Arbeitslosen laut kroatischer Statistikbehörde DZS von 281.000 auf 206.000 oder um 17,1 Prozent.

Die kroatische Statistikbehörde strich zugleich heraus, dass auch die Beschäftigtenzahl insgesamt um 0,9 Prozent zurückging. Das ist der genau umgekehrte Trend zu Österreich und vielen anderen EU-Ländern, in denen die Zahl der Arbeitslosen steigt, obwohl es parallel auch mehr Beschäftigte gibt. Laut der Nachrichtenwebsite Balkan Insights sind neben Deutschland Österreich und in den letzten Jahren auch Irland beliebte Auswanderungsdestinationen.

Historische Tradition

Auswanderung hat in Kroatien laut der Vereinigung Europäischer Migrationsinstitute (AEMI) eine lange Tradition. In früheren Jahrhunderten wurden Auswanderungswellen aus dem heutigen Staatsgebiet vor allem durch Kriege zwischen den Habsburgern und dem Ottomanischen Reich ausgelöst - Folge waren die heute noch bestehenden kroatischen Minderheiten etwa in Österreich und Rumänien. Es folgten vor allem wirtschaftlich dominierte Auswanderungswellen - bis 1918 vor allem in die USA. Immer wieder gab es aber auch politisch dominierte Fluchtwellen, etwa nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, gefolgt von der „Gastarbeiter“-Emigration.

Beschleunigte Alterung

Die Auswanderung besonders Jüngerer verschärft in Kroatien selbst zwei demografische Probleme: die Entvölkerung auf dem Land und die Alterung der Bevölkerung. Von den 4,2 Millionen Einwohnern sind mehr als 1,2 Millionen Pensionisten. Auf 115 in Arbeit befindliche Kroaten kommen laut Balkan Insight 100 Pensionisten. Das ist - nach Rumänien - der zweithöchste Wert in der EU.

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