Bericht: IT-Probleme des AMS größer als bekannt

Das Arbeitsmarktservice (AMS) kämpft mit IT-Problemen in Zusammenhang mit seinem Vertragspartner IBM, die offenbar größer sind als bisher bekannt.

Nicht nur bei der Skillmatching-Jobplattform hakt es, sondern es seien etwa auch der E-Akt, die Kundenkontakthistorie, das IBM-Produkt Sametime sowie notwendige Updates von Problemen betroffen. Das geht aus E-Mails des AMS hervor, aus denen die APA zitierte.

Das AMS sagte in einer Stellungnahme, der laufende Betrieb sei von den Störungen nicht betroffen. Im Hinblick auf weitere Umstände verwies das AMS darauf, dass es aus dem Vertrag mit IBM an Verschwiegenheitspflichten gebunden sei. IBM reagierte vorerst nicht. Schon Ende Jänner hatte die Firma laut einem Zeitungsbericht zu den IT-Problemen erklärt, dass man keine spezifischen Kundensituationen kommentiere.

Geschäftsbeziehung in „kritischer Situation“

In einer offenbar von der AMS-Geschäftsführung an die IBM-Spitze verschickten E-Mail heißt es, dass die Geschäftsbeziehung „in einer mehr als kritischen Situation“ angekommen sei. „Nicht mehr der laufende Betrieb macht uns Sorgen, sondern die Tatsache, dass praktisch alle bedeutenden Entwicklungsvorhaben auf ‚rot‘ stehen“.

Neben den Schwierigkeiten bei der Umsetzung der geplanten Skillmatching-Jobplattform gebe es nämlich auch andere Problemfelder. So hapere es auch an den gesetzlich notwendigen Änderungen an den bestehenden Fachapplikationen - was auch für die Regierung ein Problem darstelle, wenn es schlagend werde.

IBM habe „aufgrund von Ressourcenengpässen“ für 2017 große Schwierigkeiten, allein die gesetzlich notwendigen Änderungen und Anpassungen zuzusagen bzw. umzusetzen.

Probleme auch bei elektronischem Akt

Beim E-Akt habe IBM dem AMS angekündigt, den vereinbarten Lieferumfang, insbesondere die Anbindung an die bestehende Fachapplikation, aufgrund der Probleme in der Jobplattform und den damit verbundenen Ressourcenengpässe zum vereinbarten Lieferzeitpunkt höchstwahrscheinlich nicht halten zu können.

Bei der „KundInnenkontakthistorie“ sei „aus heutiger Sicht ein Zeitplan nicht seriös abschätzbar“, heißt es von AMS-Seite. Das Projektende werde nicht vor 2018 sein. Beim erwarteten Start des Umsetzungsprojektes durch IBM mehr als ein Jahr nach Fertigstellung des Pflichtenheftes sei „die Verwertbarkeit des Pflichtenheftes höchst infrage zu stellen“.

Projekt Sametime „derzeit gestoppt“

Wenig erfolgsversprechend klingt auch die Problemlage beim IBM-Produkt Sametime - laut IBM-Homepage ein Produkt zu „sofortiger Zusammenarbeit durch soziale Kommunikation über integrierte Voice-, Daten- und Videoservices“. Der Stand der Umsetzung laut AMS-Unterlagen: „IBM versucht seit Mitte 2016 Sametime zu implementieren. Das Projekt wurde derzeit von IBM gestoppt, da die im Test aufgetretenen Fehler bis dato nicht behoben werden konnten.“

Und zum geplanten Intranet habe es mit IBM „über ein Jahr lange Diskussionen über Scope und Preis“ gegeben.

Das AMS hatte in der Vergangenheit mehrfach mit IT-Problemen zu kämpfen. IBM erhielt im Jahr 2011 den Zuschlag für die Betreuung und Weiterentwicklung der AMS-IT in Höhe von 173 Mio. Euro. Die Mindestbindefrist des Arbeitsmarktservice an den IT-Partner IBM endet im September 2017. Vor IBM war die Siemens-Tochter amsbg zuständig.

FPÖ fordert Sonderausschuss

Die Probleme sind für FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl Anlass, Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) heftig zu kritisieren. Kickl, zugleich FPÖ-Sozialsprecher, forderte einen Sondersozialausschuss, in dem Stöger und die AMS-Chefs zur Lage Stellung nehmen sollen.