Irland: Kinderleichen in einstigem Mütterheim gefunden

Ermittler haben in einem einstigen Heim für unverheiratete Mütter in Irland Massengräber mit Kinderleichen entdeckt. Wie eine Untersuchungskommission gestern in Dublin mitteilte, wurden in unterirdischen Kammern im westirischen Tuam „erhebliche Mengen“ menschlicher Überreste gefunden.

Rasenfläche beim Heim für unverheiratete Mütter in Tuam, Irland

APA/AP/PA/Niall Carson

Einige der Leichen seien untersucht worden. Es handelt sich demnach um Föten und Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren. Das Heim in Tuam wurde von 1925 bis 1961 von der katholischen Kirche betrieben. Die Leichen stammen der Untersuchungskommission zufolge höchstwahrscheinlich aus dieser Zeit.

Im Heim starben 796 Kinder

„Die Kommission ist schockiert von dieser Entdeckung und ermittelt weiterhin, wer verantwortlich für die Entsorgung menschlicher Überreste in dieser Art war“, hieß es in einer Mitteilung. Eine Kommission untersucht im Auftrag der Regierung Hinweise auf Missbrauch in ehemaligen Mutter-Kind-Heimen in dem katholischen Land.

Catherine Corless, eine Historikerin, hatte in jahrelanger Arbeit die Akten des Heims untersucht. Sie kam zu dem Schluss, dass 796 Kinder in den 36 Jahren, in denen das Heim betrieben wurde, gestorben sind. Angesichts der Kindersterblichkeit jener Zeit in Irland sei diese Zahl nicht übermäßig hoch. Allerdings gebe es keine Aufzeichnungen über Beerdigungen auf den umliegenden Friedhöfen, insofern war bereits angenommen worden, dass die Leichen andernorts „entsorgt“ wurden.