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Anti-Terror-Ermittler im Einsatz

Auf dem Pariser Flughafen Orly ist heute ein Mann erschossen worden, nachdem dieser versucht haben soll, einer Soldatin die Waffe wegzunehmen. Bei dem Getöteten handelt es sich laut Innenministerium um denselben Mann, der rund eineinhalb Stunden zuvor bei einer Verkehrskontrolle Schüsse auf Polizisten abfeuerte.

Eine Sprecherin der Nationalpolizei bestätigte später den Tod des Mannes. Den Vorgang der Ereignisse schilderte dann Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. Demnach habe der Mann zunächst eine Soldatin zu Boden geworfen und dann versucht, ihre Waffe zu entwenden. Im Gegensatz zu ersten Berichten, sei dieses Vorhaben aber nicht gelungen.

Die Frau sei Reservistin und als Teil einer Patrouille von drei Soldaten am Flughafen unterwegs gewesen. Sie habe ihre Waffe festgehalten. „Aber ihre zwei Kameraden haben es für nötig gehalten - und sie hatten Recht -, das Feuer zu eröffnen, um sie zu beschützen, und vor allem um alle Leute drumherum zu beschützen“, wie Le Drian weiter sagte.

Polizei am Flughafen Orly

APA/AFP/Christophe Simon

Anti-Terror-Einheiten auf dem Weg zum Einsatzort

Schüsse bei Verkehrskontrolle

Innenminister Bruno Le Roux bestätigte bei seinem Besuch auf dem Flughafen Orly dann, dass es sich um denselben Mann handelt, der um 6.55 Uhr in der nahe Paris gelegenen Stadt Stains (Departement Seine-Saint-Denis) mit einer Schrotpistole auf Polizisten geschossen und einen Beamten leicht am Kopf verletzt hatte. Wie von der Polizei bereits zuvor mitgeteilt wurde, sei der Mann dann mit einem gestohlenen Auto geflohen. Das Fahrzeug sei unbestätigten Berichten zufolge später beim Flughafen Orly entdeckt worden.

Karte von der Pariser Umgebung

Grafik: OSM/ORF.at

Hollande: „Besonders gefährliche Person“

Der Mann war Le Roux zufolge Polizei und Geheimdiensten bekannt gewesen. Es soll sich um einen mehrfach vorbestraften und von der Kriminalpolizei gesuchten Franzosen handeln. 2015 stand er zudem unter Radikalisierungsverdacht, wie laut AFP am Samstag aus Polizeikreisen verlautete. Reuters-Angaben zufolge soll es sich um einen aktenkundigen Islamisten handeln, der auf entsprechenden Beobachtungslisten gestanden sei. Das Innenministerium erklärte, ein terroristisches Motiv sei denkbar, das müsse jetzt die Justiz untersuchen.

Laut Frankreichs Präsident Francois Hollande habe es sich um einen „besonders gefährliche Person“ gehandelt. Dessen Vater und Bruder befinden sich Medienberichten zufolge bereits in Haft. Festnahmen im „Umfeld eines Verdächtigen“ wurden in diesem Zusammenhang als üblich bezeichnet.

Hollande lobte unterdessen auch „den Mut und die Tüchtigkeit“ der Sicherheitskräfte. „Der Präsident der Republik bekräftigt die Entschlossenheit des Staates, unablässig zu handeln, um gegen den Terrorismus zu kämpfen, die Sicherheit unserer Mitbürger zu verteidigen und den Schutz des Staatsgebiets sicherzustellen“, wie Hollande laut Angaben aus dem Elysee-Palast sagte.

Flugverkehr zeitweilig eingestellt

Die Ermittlungen hat AFP-Angaben zufolge mittlerweile die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernommen. Wie der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, zudem mitteilte, kamen auf dem Flughafen Orly indes keine weiteren Personen zu Schaden.

Sprengstoffexperten haben nach Angaben der Präfektur des Verwaltungsbezirkes Val-De-Marne ihren Einsatz bereits abgeschlossen. Bei dem erschossenen Mann sei demnach kein Sprengstoff gefunden worden. Ein Großaufgebot von Sicherheitskräften, darunter auch die französische Anti-Terror-Einheit RAID ist Medienberichten zufolge aber weiter präsent.

Nach Angaben der zivilen Luftfahrtbehörde DGAC wurde der gesamte Flugverkehr in Orly zeitweise ausgesetzt. Am Nachmittag wurde er dann schrittweise wieder aufgenommen. Auch die zuvor stundenlang gesperrten zwei Terminals des Flughafens sind wieder geöffnet, wie die französische Luftfahrtaufsicht DGAC mitteilte.

Zweitgrößter Flughafen von Paris

Aus dem Südterminal wurden am Vormittag nach Angaben des französischen Innenministeriums knapp 3.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Die im Westterminal befindlichen Passagiere wurden dort während des großangelegten Polizeieinsatzes abgeschirmt. Andere Passagiere wurden angewiesen, sich nicht zum Flughafen zu begeben. Rund um den Flughafen staute sich am Vormittag der Verkehr.

Auf Fernsehbildern und auf via Twitter veröffentlichten Videoaufnahmen waren zahlreiche Passagiere zu sehen, die mit schwerem Gepäck zu Fuß den Bereich um den Flughafen verließen. Der Flughafen Orly liegt südlich von Paris und ist der zweite große Airport der französischen Hauptstadt nach dem Flughafen Charles de Gaulle.

Ausnahmezustand seit November 2015

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von Terroranschlägen. Erst vor einigen Wochen war nahe dem Pariser Louvre-Museum ein Mann niedergeschossen worden, der sich mit einer Machete auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte. Wegen der nach wie vor als hoch eingestuften Terrorgefahr patrouillieren Soldaten an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen gefährdeten Orten.

In Frankreich gilt seit der Anschlagsserie vom 13. November 2015 der Ausnahmezustand. Damals wurden bei mehreren Anschlägen 130 Menschen ermordet. Der Ausnahmezustand war mehrfach verlängert worden und ist aktuell bis zum 15. Juli in Kraft.

Justizminister Jean-Jacques Urvoas sagte am vergangenen Mittwoch, inzwischen seien „Bedingungen geschaffen, die es möglich machen, den Ausnahmezustand zu verlassen - ohne uns selbst zu schwächen oder hilflos im Angesicht des Terrorismus zu machen“. Präsident Francois Hollande machte allerdings deutlich, dass die Entscheidung beim künftigen Präsidenten und dem neuen Parlament liege, die demnächst neu gewählt werden.

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