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Das Glück wohnt zwischen den Fjorden

Das Glück ist in Nordeuropa zu Hause - jedenfalls, wenn man dem jährlichen Weltglücksbericht Glauben schenkt. Erstmals eroberte heuer Norwegen den Spitzenplatz in dem UNO-Bericht, den die Fachleute am Montag in New York zum fünften Mal vorlegten. Norwegen löst damit das im Vorjahr erstplatzierte Dänemark ab.

Einmal stand bisher die Schweiz an der Spitze des „World Happiness Report“, gleich dreimal Dänemark, nun hat mit Norwegen ein anderes europäisches Land aufgeholt, das 2016 noch auf dem vierten Rang lag. Dort findet sich heuer wiederum die im Jahr 2015 erstplatzierte Schweiz wieder. Alle anderen Top-Five-Ränge sind diesmal vom hohen Norden Europas belegt: neben Norwegen noch Dänemark, Island und Finnland. Dahinter kommen die Niederlande, Kanada, Neuseeland, Australien und Schweden.

Österreich auf Platz 13

Noch vor Österreich, das den 13. Platz erreichte, landeten Israel und Costa Rica auf den Rängen elf und zwölf, dahinter finden sich an 14. und 15. Stelle die USA und Irland sowie auf Platz 23 Österreichs Nachbarland Tschechien. Weitere unmittelbare geografische Nachbarn Österreichs platzierten sich deutlich weiter hinten, etwa die Slowakei (40), Italien (Rang 48), Slowenien (62) und Ungarn (75).

Grafik zum Glücksindex

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/Earth Institute/UNO

Deutschland stagniert auf Platz 16, gefolgt von Belgien, Luxemburg, Großbritannien und Chile. Das Schlusslicht der 155 Länder umfassenden Untersuchung ist die Zentralafrikanische Republik. Mit Ausnahmen unter anderem von Syrien, Afghanistan, Haiti, der Ukraine und dem Jemen liegen auch die meisten anderen Länder der 30 hintersten Ränge in Afrika.

Länderdaten und Selbstwahrnehmung

Der „World Happiness Report“ verbindet Länderdaten mit Befragungen über die Selbstwahrnehmung der Bewohner. Heute stehen vor allem Jeffrey Sachs von der New Yorker Columbia University und eine Gruppe internationaler Experten hinter dieser Studie, die unter anderem das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, die Lebenserwartung, die gefühlte Unterstützung aus dem eigenen sozialen Umfeld und das Vertrauen in Regierung und nationale Unternehmen berücksichtigt.

Eingang in die Studie findet auch die von den Befragten empfundene Freiheit, Entscheidungen für ihr Leben treffen zu können, sowie die Großzügigkeit bei Spenden. Negative Faktoren wie Sorgen, Trauer und Wut spielen ebenfalls eine Rolle.

Norweger schätzen einfache Freuden

Laut Nachfrage der dpa sind es vor allem die kleinen Freuden des Alltags, die die Norweger so glücklich machen. Bei einem Straßeninterview freuten sich die Menschen in Oslo etwa über den sonnigen Frühlingstag und die wiedererwachende Natur. Die Bedingung für solche niederschwelligen Glücksmomente sei jedoch eine grundsätzliche materielle Absicherung, so der Soziologe Anders Barstad vom norwegischen Statistikamt gegenüber der dpa: „Wir sind ein reiches Land. Wir haben viele Ressourcen und zusätzlich ein hohes Einkommen. In Norwegen und den nordischen Ländern gibt es dazu sehr geringe Einkommensunterschiede. Wir haben wenig Armut und Arbeitslosigkeit.“

Lofoten

Getty Images/Brian D. Bumby

Glück im Norden: Norwegen nimmt in der neuen UNO-Studie den ersten Platz ein

Das gut ausgebaute Wohlfahrtssystem Norwegens sorge dafür, dass sich die Menschen weniger Gedanken um ihre Zukunft machen müssten, meint Barstad. „Es gibt kleine Probleme am Horizont, aber ich glaube nicht, dass das die Menschen bekümmert.“ Die Bewohner Norwegens vertrauen nicht nur den Behörden, der Polizei und der Justiz mehr als die Menschen in anderen Ländern, sondern auch einander. Mehr als 75 Prozent aller Norweger meinen, dass den meisten Menschen zu trauen ist.

Weltglückstag feiert nicht-materielles Glück

Der diesjährige Bericht stützt sich auf Daten aus den Jahren 2014 bis 2016. Veröffentlicht wurde er anlässlich des Weltglückstags. Dieser wird am 20. März jedes Jahres gefeiert und geht auf einen Beschluss der UNO-Hauptversammlung vom Juni 2012 zurück. Die Vereinten Nationen verbinden mit dem Weltglückstag weltweite Politikziele und wollen damit Anerkennung gegenüber Staaten zum Ausdruck bringen, die Wohlstand auf eine Art und Weise messen, die über Materielles hinausgeht. Die Initiative dazu kam von Bhutan.

Kalorien, Wasser, Wohnraum, Schule

Einst wurde mit dem mittelhochdeutschen Wort „Gelucke“ das gute Ende eines Ereignisses benannt. Der Duden definiert es als eine „angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat“. Es sei ein „Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“. Als zentraler Begriff der Religion und Philosophie ist Glück die vollkommene und dauerhafte Erfüllung persönlicher Wünsche.

Glücksforscher sprechen von einem subjektiven Wohlbefinden, das für jeden etwas anderes bedeuten könne. Im „World Book of Happiness“ zählen Forscher Faktoren für Glück auf: eine stabile Liebesbeziehung, Gesundheit, ein den eigenen Fähigkeiten entsprechender Beruf, Freunde, Kinder und Geld für Grundbedürfnisse. Reichtum allein macht übrigens nicht glücklich: Mit steigendem Wohlstand wächst Glück nicht immer weiter.

Forscher gehen davon aus, dass bei materiell armen Menschen verlässliche Bindungen verstärkt für Glücksgefühle sorgen. Die UNO nennt in diesem Zusammenhang ganz einfache Grundbedingungen für Glück: Unter anderem sind das mindestens 2.500 Kalorien und 100 Liter Wasser am Tag, mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum, ein Platz zum Kochen sowie sechs Jahre Schule.

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