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Eine Dose in der Vermittlerrolle

Ein im Internet verbreiteter Pepsi-Werbespot sorgt derzeit für Aufregung: Als Testimonial fungiert Kim Kardashians jüngere Halbschwester Kendall Jenner, die auf eine angespannte Straßenprotestsituation aufmerksam wird, bei der einander Demonstranten und Bereitschaftspolizei gegenüberstehen. In der Folge tritt Jenner als Heilsbringerin auf und sorgt für entspannte und lachende Gesichter auf beiden Seiten.

Das scheinbar friedensstiftende Element ist der eigentliche Star im Video: Denn als die von Demonstranten und hochgerüsteter Bereitschaftspolizei gleichermaßen bewunderte Jenner durch den Protestlertross an einen der Polizisten herantritt, werden Erinnerungen an brutale Auseinandersetzungen bei Anti-Rassismus-Demos in den USA wach.

Kein Pfefferspray, keine Schlagstöcke - nur Liebe

Doch Pepsi kann Wunder wirken, wie Jenner weiß, als sie einem Polizisten eine Dose des Getränks überbringt und dieser schließlich beherzt daraus trinkt. Kein Pfefferspray, keine Schlagstöcke, keine Gummigeschoße gegen unbewaffnete Demonstranten wie in jenen Momenten, an die offenkundig erinnert werden soll - nichts als Eintracht und kollektive Herzlichkeit und Freude sind die Folge.

Anspielung auf „Black Lives Matter“-Demo

Tatsächlich spielt die Szene auf ein bemerkenswertes Ereignis an, als nämlich eine Frau im Sommerkleid im Juli 2016 anlässlich einer „Black Lives Matter“-Demo von gepanzerten Einsatzpolizisten festgenommen wurde. Aufgenommen wurde das Bild in Baton Rouge, der Hauptstadt des US-Südstaates Louisiana, wo anlässlich der Erschießung des Afroamerikaners Alton Sterling durch einen Polizisten demonstriert wurde.

Archivbild zeigt eine junge Frau im Sommerkleid vor zwei Polizisten

Reuters/Jonathan Bachman

Pepsi spielt auf das berühmt gewordene Bild aus dem Vorjahr an

Um den mutigen Schritt Jenners für die Ewigkeit festzuhalten, tritt im Werbevideo noch eine Fotografin mit Hidschab an Jenner und den Polizisten heran. Generell ist freilich der gesamte Cast aufmerksam ethnisch durchmischt - am Ende wird der lächelnde Polizist von der zuvor aufgebrachten Menge gefeiert. Auch die allgemeine Anerkennung für Jenners Heldenmut kommt nicht zu kurz.

Pepsi-Dose als groteskes Element

Die Resonanz im Internet blieb dem Unternehmen wegen Verharmlosung der Realität nicht erspart - in Sozialen Netzwerken tauchten unzählige Postings auf, in denen sich Nutzer über die Romantisierung des US-Konzerns lustig machen. Vielfach sind Bilder von brutalen Einsätzen der Polizei gegen Schwarze zu sehen, auf denen Pepsi per Fotomontage überraschend eine groteske Rolle spielt.

„Wichtig, eine solche Botschaft auszusenden“

Das Statement, das Pepsi am Dienstagabend verbreitete, war vom einfachen Anspruch des Clips nicht weit entfernt: Es handle sich dabei um eine Werbung, in der Menschen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten in Harmonie zusammenkämen. Es sei wichtig, eine solche Botschaft auszusenden. 2017 sei das Jahr, in dem Pepsi die „Live for now“-Momente des Lebens feiere. Es handle sich um „Momente, in denen wir entscheiden loszulassen, zu handeln, unserer Leidenschaft zu folgen und wo nichts uns zurückhält“, wie es heißt.

Auch Jenner wird in der Aussendung zitiert: Sie sei „begeistert, mich in die legendäre Liste von Ikonen, die ihre Generation repräsentiert und mit Pepsi zusammengearbeitet haben, einreihen zu dürfen“. Und weiter: „Pepsi ist für mich mehr als nur ein Getränk - es ist ein Symbol der Popkultur und ein Lifestyle, der eine Stimme mit der heutigen Generation teilt“.

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