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Druck auf Pjöngjang wächst

In Erwartung eines neuen nordkoreanischen Atomwaffentests erwägen die USA eine mögliche militärische Reaktion. „Militärische Optionen“ würden bereits geprüft, sagte ein außenpolitischer Berater des Weißen Hauses am Freitag. In den vergangenen Wochen haben die Spannungen zugenommen. Machthaber Kim Jong Un hatte mehrere Raketentests unternommen und damit gegen UNO-Resolutionen verstoßen.

Ein Medienbericht über die Vorbereitung eines Präventivschlages gegen Nordkorea wurde unterdessen zurückgewiesen. Der Bericht des TV-Senders NBC sei schlicht falsch, hieß es am Donnerstag. Ein anderer Regierungsvertreter sagte, der Beitrag sei „bestenfalls spekulativ“. Das Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Man diskutiere mögliche Szenarien grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit.

NBC-Bericht über Präventivschlag dementiert

NBC hatte unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise berichtet, die USA seien darauf vorbereitet, einen Präventivschlag gegen Nordkorea auszuführen, sollten sie davon überzeugt sein, dass Pjöngjang einen weiteren Atomtest vornehmen wolle.

Zuletzt hatte es Hinweise gegeben, dass Nordkorea nach mehreren Raketentests einen neuen Atomwaffentest unternehmen könnte - möglicherweise sogar anlässlich des 105. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il Sung an diesem Samstag. Das US-Korea-Institut der Johns-Hopkins-Universität berichtete, Satellitenbilder des Testgeländes im Nordosten zeigten anhaltende sowie neue Aktivitäten.

USA entsenden Flottenverband

Zwei US-Zerstörer, bewaffnet mit Marschflugkörpern des Typs „Tomahawk“, halten sich nach diesen Geheimdienstangaben in der Nähe der Koreanischen Halbinsel auf. Einer davon sei etwa 480 Kilometer vom Atomtestgelände entfernt. US-Präsident Donald Trump verwies seinerseits darauf, dass der Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ nicht wie geplant nach Australien fahre, sondern Kurs auf die Gewässer nahe der Koreanischen Halbinsel nehme. „Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig“, sagte Trump dem TV-Sender Fox.

Zerstörer der US Navy

Reuters/US Navy/Danny Kelley

US-Zerstörer „Wayne E. Meyer“ vor der Koreanischen Halbinsel

Nordkoreas Vizeaußenminister beklagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP den „boshafteren und aggressiveren“ Stil der US-Regierung unter Präsident Trump. „Trump provoziert mit seiner aggressiven Wortwahl“, sagte Han Song Ryol in einem Interview. „Wenn sie (die USA) das wollen, werden wir in den Krieg ziehen.“

Russland und China warnen vor Eskalation

Russland rief am Freitag zur Zurückhaltung auf. „Moskau beobachtet die Eskalation der Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel mit großer Sorge“, sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow. Man warne alle Seiten vor „provokativen Schritten“. Auch China rief zur Zurückhaltung auf. „Wir fordern ein Ende der Provokationen und Drohungen, bevor die Lage nicht mehr zu retten ist“, sagte Chinas Außenminister Wang Yi am Freitag in Peking. Wer Probleme auf der Koreanischen Halbinsel mache, werde die Verantwortung übernehmen müssen.

China dringt auf einen Stopp des nordkoreanischen Atomprogramms. „Sobald Nordkorea sich an Chinas erklärten Rat hält und Atomaktivitäten aussetzt, wird China aktiv daran arbeiten, die Sicherheit einer atomwaffenfreien nordkoreanischen Nation und der Regierung zu schützen“, schrieb die „Global Times“, die vom Parteiorgan „Volkszeitung“ herausgegeben wird.

Die chinesische Fluggesellschaft Air China setzte am Freitag auch Flüge von Peking nach Pjöngjang aus. Als Grund nannte Air China eine zu geringe Nachfrage nach Tickets.

„Riskanter als Angriff in Syrien“

China warnte auch die USA: „Militäraktionen gegen Nordkorea zu unternehmen, ist sehr viel riskanter, als einen Raketenangriff gegen Syrien zu starten“, schrieb die „Global Times“. Pjöngjang könnte Südkorea im Gegenzug „einen schweren Schlag versetzen“. Am Sonntag wird US-Vizepräsident Mike Pence in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul erwartet.

Peking stoppt Kohleimporte aus Nordkorea

In einer Twitter-Kurznachricht schrieb der US-Präsident: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass China angemessen mit Nordkorea umgehen wird. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, werden die Vereinigten Staaten es mit ihren Verbündeten sein.“ Im Rahmen der UNO-Sanktionen nach dem letzten Atomtest Nordkoreas hat China seit 19. Februar keine Kohlelieferungen mehr aus dem Nachbarland angenommen, wie der Zoll in Peking berichtete. Damit unterbindet China eine wichtige Einnahmequelle des abgeschotteten kommunistischen Staates.

Durch den Stopp hätten sich die Kohleimporte aus Nordkorea im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum halbiert. Vorher seien noch 2,7 Millionen Tonnen eingeführt worden. Trump sagte dazu, das sei „ein gutes Zeichen“. „Ich denke, China kann uns helfen.“ Erneut stellte der US-Präsident dafür ein Entgegenkommen in Handelsfragen in Aussicht.

Pjöngjang bereitet sich auf „Tag der Sonne“ vor

Nordkorea bereitete sich unterdessen auf den „Tag der Sonne“ am Samstag vor. Die zum Nationalfeiertag ins Land gelassenen ausländischen Journalisten wurden zu einem „großen und wichtigen Ereignis“ gebracht, das sich als Eröffnung einer neuen Straße im Zentrum der Hauptstadt Pjöngjang herausstellte, an der auch Machthaber Kim Jong Un teilnahm.

Das Land stellt trotz der wirtschaftlichen Probleme eine bedrohliche Militärmacht in der Region dar. Experten gehen davon aus, dass das Land ständig mehr als eine Million Soldaten unter Waffen hat. Die Hauptstadt des benachbarten Südkorea liegt nur etwa 40 Kilometer von der Grenze entfernt. Mit seinen Raketen erreicht Nordkorea auch Japan.

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