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Suche nach möglichem Komplizen

In Paris hat sich Donnerstagabend ein tödlicher Schusswechsel ereignet. Dabei seien ein Polizist ums Leben gekommen und zwei weitere verletzt worden, bestätigte das französische Innenministerium. Der Angreifer wurde getötet.

Präsident Francois Hollande sprach am späten Abend von Hinweisen auf einen terroristischen Hintergrund. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Schauplatz der Schießerei war der Prachtboulevard Champs-Elysees im Zentrum der französischen Hauptstadt.

Ein Auto sei neben einem Polizeiwagen stehen geblieben, ein Insasse habe aus einer automatischen Waffe das Feuer eröffnet und einen Polizisten getötet, hieß es aus dem Innenministerium. Anschließend habe er versucht zu Fuß zu fliehen und habe dabei auf weitere Polizisten das Feuer eröffnet. Er wurde erschossen. Berichte über einen möglichen zweiten Schusswechsel in der Nähe stellten sich als falsch heraus. Der Tod eines zweiten Polizisten wurde am späten Abend vom Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, ebenfalls dementiert.

Großeinsatz rund um Champs-Elysees

Die Tageszeitungen „Le Figaro“ und „Le Monde“ (Onlineausgaben) zeigten Bilder von dem großangelegten Polizeieinsatz, Hubschraubern in der Luft und zahlreichen Mannschaftsbussen der Polizei auf der Straße. Der Boulevard wurde gesperrt. Auch ein Entschärfungskommando rückte an, um das Fahrzeug des Schützen zu untersuchen, wie die Behörden mitteilten. Die Avenue des Champs-Elysees ist fast 70 Meter breit und knappe zwei Kilometer lang. Sie führt von der Place de la Concorde zum Triumphbogen an der Place Charles-de-Gaulle.

Polizeiautos auf der gesperrten Champs-Elysee in Paris

APTN

Busse der Bereitschaftseinheit CRS, der Reserveeinheit der französischen Polizei

In der Wohnung des Tatverdächtigen wurde eine Razzia durchgeführt. Er war den Sicherheitsbehörden bekannt. Details zu seiner Identität nannte das Innenministerium nicht - „um die Ermittlungen nicht zu gefährden“, wie es hieß.

Enorme Anspannung

Bei den Polizeikräften vor Ort sei eine „enorme Anspannung“ zu spüren, berichtete ein Journalist des „Figaro“ über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ein Ohrenzeuge, ein Restaurantbesitzer, sagte gegenüber der Zeitung, der Schusswechsel sei kurz, aber sehr heftig gewesen. U-Bahn-Stationen wurden geschlossen, teilten die Pariser Verkehrsbetriebe mit. Die Polizei rief dazu auf, den Schauplatz der Schießerei zu meiden.

Land im Ausnahmezustand

Womöglich sei ein zweiter mutmaßlicher Schütze auf der Flucht, hatte es in ersten Berichten geheißen. Dafür gebe es keine Indizien, erklärten die Behörden am späten Abend. Sie bestätigten aber, nach einem möglichen Komplizen zu fahnden. Der Mann sei per Zug aus Belgien angereist. Präsident Hollande berief die Ressortchefs der wichtigsten Ministerien, darunter Inneres und Justiz, zu einem Krisengipfel in den Elysee-Palast ein.

Karte zeigt die Pariser Champs-Elysees

Omniscale/OSM/ORF.at

Die Behörden sind in Frankreich in höchster Alarmbereitschaft - nicht nur, weil am Sonntag die erste Runde der Präsidentschaftswahl stattfindet. Sie soll von Zehntausenden Polizisten und Soldaten gesichert werden. 2015 und 2016 waren bei Terroranschlägen in Frankreich insgesamt 238 Menschen getötet worden. Der Ausnahmezustand wurde bis nach der Wahl verlängert.

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