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Im Visier der Anti-Terror-Ermittler

Nach dem tödlichen Schusswechsel im Zentrum von Paris, bei dem am Donnerstagabend ein Polizist und der mutmaßliche Attentäter getötet wurden, dringen mehr Details an die Öffentlichkeit. Der Schütze wurde identifiziert, die Sicherheitsbehörden kennen ihn schon lange.

Bei dem Mann handelte es sich laut mehreren französischen Medienberichten um Karim C. Er war laut unterschiedlichen Angaben 39 oder 40 Jahre alt, gebürtiger Franzose und stammte aus der 40.000-Einwohner-Stadt Livry-Gargan im Ballungsraum Paris.

15 Jahre Haft nach Mordversuch an Polizisten

„Express“, „Le Monde“ und „Le Figaro“ berichteten Freitagvormittag unter Berufung auf die Justizbehörden bzw. die Polizei, der mutmaßliche Attentäter habe eine langjährige Haftstrafe verbüßt gehabt und sich zuletzt auf Bewährung auf freiem Fuß befunden. C. soll für den dreifachen Mordversuch an Polizisten im Jahr 2001 zu einer 20-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt und Ende 2015 aus der Haft entlassen worden sein.

Karte zeigt die Pariser Champs-Elysees

Omniscale/OSM/ORF.at

Auch danach habe der Mann - er wurde von Polizeibeamten erschossen, nachdem er Donnerstagabend gegen 21.00 Uhr auf den Champs-Elysees das Feuer auf Polizisten in einem Streifenwagen eröffnet hatte - mehrfach damit gedroht, Polizeibeamte zu töten. In der Haft sei er offenbar nicht durch radikalislamische oder extremistische Töne aufgefallen. Trotzdem hatten ihn Anti-Terror-Ermittler im Visier - offenbar wegen seiner Drohung gegen die Sicherheitsbehörden.

Mögliche Verbindung zu Terrornetzwerk unklar

Völlig unklar war auch am Freitag noch eine mögliche Verbindung des Mannes zu einer Extremistenorganisation. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte das Attentat wenige Stunden nach der Tat für sich reklamiert. Allerdings tut der IS das häufig, meist mit ähnlichen Worten. Den mutmaßliche Attentäter von Paris nannte das Extremistennetzwerk „Abu Jussef al-Baljiki“ („Abu Jussef der Belgier“). Eine Verbindung sei aber fraglich, hieß es etwa im „Express“. C. war kein Belgier, sondern französischer Staatsbürger. Bei ihm wurde laut Medienberichten allerdings ein Zettel gefunden, auf dem der Attentäter den IS „verteidigt“.

Polizisten am Champs-Elysees

AP/Christophe Ena

Polizeipatrouillen vor dem Triumphbogen am Tag nach dem Anschlag

Ein tatsächlicher Belgier, der nach dem Schusswechsel zur Fahndung ausgeschrieben worden war, stellte sich den Behörden. Der Mann habe sich in einem Polizeirevier in Antwerpen gemeldet, wie der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, sagte. Seine mögliche Rolle ist allerdings unklar.

Offenbar waren in der Wohnung des 35-jährigen Mannes Waffen und ein für Donnerstag ausgestelltes Zugsticket nach Paris gefunden worden. Die belgische Polizei informierte die französischen Behörden. Es soll außerdem eine Namensähnlichkeit zum mutmaßlichen Paris-Attentäter bestehen.

Aus automatischer Waffe Feuer eröffnet

C. war am Donnerstagabend auf der Avenue des Champs-Elysees mit seinem Fahrzeug neben einem Streifenwagen stehen geblieben, ausgestiegen und hatte aus einer automatischen Waffe das Feuer eröffnet. Ein Polizist starb, zwei weitere wurden verletzt, der Attentäter wurde von Polizeikräften erschossen. Eine deutsche Touristin erlitt leichte Verletzungen durch Splitter. Der Schusswechsel ereignete sich nur wenige hundert Meter vom Arc de Triomphe entfernt.

Die Pariser Polizei machte, unterstützt von Bereitschaftseinheiten, ein Großaufgebot mobil. Die Champs-Elysees wurden hermetisch abgeriegelt, U-Bahn-Stationen geschlossen, Hubschrauber waren in der Luft. In ganz Frankreich ist die Anspannung nicht nur wegen einer weiter bestehenden Terrorgefahr rund um die Präsidentschaftswahl am Sonntag groß. Für diese wurden große Sicherheitsvorkehrungen getroffen, 50.000 Polizeibeamte und 7.000 Soldaten sind im Einsatz.

Alle Wahlkampfveranstaltungen abgesagt

Der Angriff ereignete sich während einer Serie von Liveinterviews mit den elf Präsidentschaftskandidaten im TV-Sender France 2. Die Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen, Emmanuel Macron und Francois Fillon sagten für Freitag geplante Wahlkampfveranstaltungen ab. Zahlreiche französische Politiker äußerten sich bestürzt und verurteilten die Tat.

Übersichtskarte Frankreich, Stadtplan Paris mit Anschlagsorten

APA/ORF.at

Seit den islamistischen Anschlägen im November 2015 gilt der Ausnahmezustand. Bei Anschlägen 2015 und 2016 wurden in Frankreich insgesamt 238 Menschen getötet. Erst zu Wochenbeginn hatten die französischen Behörden nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt. In Marseille wurden zwei „radikalisierte“ Verdächtige festgenommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung waren unter anderem Sprengstoff, Schusswaffen und eine IS-Flagge gefunden worden.

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