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Aufweichung des staatlichen Schutzes

Seit Wochen nehmen im Kampf um Land und Anbauflächen die Attacken auf indigene Gemeinden in Brasilien zu: Im Nordosten des Landes wurden im Bundesstaat Maranhao 13 Mitglieder des Gamela-Volkes zum Teil schwer verletzt, wie lokale Medien am Montag (Ortszeit) berichteten. Einem seien die Hände abgetrennt worden, andere wurden von Schüssen getroffen.

Laut dem Katholischen Missionsrat für Indigene (Indigenous Missionary Council, CIMI) waren die Angehörigen der Gamela dabei, von Land, das sie besetzt hatten, um es von Rinderzüchtern zurückzufordern, wieder abzuziehen. Dabei seien sie Sonntagnachmittag von Männern, die mit Gewehren, Messern und Schlagstöcken bewaffnet waren, angegriffen worden.

In mehreren Bundesstaaten kommt es vermehrt zu blutigen Konflikten. Indigene Gemeinden beklagten, dass unter der rechtskonservativen Regierung von Staatspräsident Michel Temer der staatliche Schutz aufgeweicht werde - das Holz in den Gegenden ist lukrativ. Zudem kommt es im Amazonasgebiet immer wieder zu Morden und Vertreibungen, um neue Flächen für Soja zu erschließen, das weltweit zu Tierfutter verarbeitet wird, um den wachsenden Fleischkonsum zu bedienen.

Brasilianische Ureinwohner werden von Tränengas attackiert

Reuters/Ueslei Marcelino

Demonstration vor eine Woche in der Hauptstadt Brasilia

Regeln im Jänner geändert

Im Jänner änderte die Regierung die Regeln für die Abgrenzung indigener Gebiete. Laut Verfassung haben die Indigenen exklusive Rechte auf ihre traditionellen Gebiete, allerdings bekämpfen vor allem Holz- und Viehindustrie diese Rechte und die konkreten Ansprüche und verletzen das Grundrecht.

Interessenvertreter der Indigenen kritisierten die Regel als schweren Rückschlag. Insbesondere wurde die Entscheidung über die konkrete Auszeichnung indigener Gebiete von der Indigenen-Behörde FUNAI ins Justizministerium verlagert. Befürworter der Änderung betonten, damit würden die Investitionen in die Landwirtschaft steigen.

Proteste in Brasilia

Vergangene Woche war es beim Protest Hunderter Menschen indigener Gemeinden vor dem Kongress in Brasilia zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Pfefferspray und Tränengas ein, die Demonstranten wehrten sich mit Pfeil und Bogen. „Wir leiden jeden Tag, und wenn wir hierherkommen, um mit dem Staat zu verhandeln, passiert das“, kommentierte eine Wortführerin der Demonstranten, Angela Katxuyana, die Eskalation.

Demonstration der Brasilianischen Ureinwohner

APA/AP/Eraldo Peres

Mit Särgen protestieren Indigene und ihre Unterstützer gegen tödliche Attacken

Neun Menschen ermordet

Zuvor waren am 22. April im südlichen Bundesstaat Mato Grosso neun Menschen in einer abgelegenen Gegend durch Schüsse und Messerstiche ermordet worden. Dem soll ein Streit mit Großgrundbesitzern vorausgegangen sein, weshalb diese nun verdächtigt werden, Auftragskiller angeheuert zu haben. „Gerade die Situation an der südlichen Grenze des Amazonas-Gebiets ist dramatisch“, sagte der Experte der Umweltstiftung WWF, Roberto Maldonado. Die Lage sei so schlimm wie seit 20, 30 Jahren nicht mehr.

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