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18 Prozent gelten als gefährdet

In Österreich ist das Armutsrisiko geringer als im EU-Schnitt. Auch hat sich die entsprechende Gefährdung in den vergangenen Jahren reduziert. Dennoch waren 2016 immer noch 1,5 Millionen Menschen der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen, zeigt die aktuelle EU-Vergleichsstatistik SILC, die am Dienstag präsentiert wurde.

Insgesamt gelten 18 Prozent der österreichischen Bevölkerung gemäß EU-Berechnung als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das ist ein minimaler Rückgang gegenüber 2015, als 18,3 Prozent zu der Gruppe gezählt wurden. Immerhin, der Wert lag auch schon einmal wesentlich höher, etwa 2008 mit 20,6 Prozent. Interessant ist der internationale Vergleich: Während in Österreich die Gefährdungsquote in diesem Zeitraum um 2,6 Prozent abnahm, blieb sie in der EU gesamt bei 23,7 Prozent stecken.

Zahl der Kinder als Indikator

Gegenlenken will das SPÖ-Regierungsteam mit der Förderung besonders betroffener Gruppen. So plädierte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) bei der Präsentation des Berichts erneut dafür, die „Aktion 20.000“ für ältere Langzeitarbeitslose nun auch tatsächlich umzusetzen. Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) setzt auf einen Ausbau der Kinderbetreuung inklusive Rechtsanspruch ab dem ersten Lebensjahr, um die Erwerbsbeteiligung von Müttern zu erhöhen.

Warum hier Handlungsbedarf besteht, zeigen die von Statistik-Austria-Direktor Konrad Pesendorfer präsentierten SILC-Daten. Laut diesen sind Frauen mit 42 Prozent öfter von Armut und Ausgrenzung betroffen als Männer (32 Prozent) und Jugendliche (23 Prozent). Auffällig ist, dass, je mehr Kinder vorhanden sind, die Gefährdung umso größer ist, besonders wenn Frauen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Auch zeigt sich, dass mehr Probleme auftreten, wenn die Kinder noch im Vorschulalter sind.

Langszeitarbeitslose besonders stark gefährdet

Für Rendi-Wagner ist das Anlass, neben dem zweiten Gratiskindergartenjahr, das ab 2018 gelten soll, den großen Ausbau der Kinderbetreuung vor allem für unter Dreijährige zu forcieren. Ebenfalls drängt sie auf bessere Öffnungszeiten und weniger Schließtage. Stöger wiederum will die Umsetzung der in der Koalition festhängenden „Aktion 20.000“, mit der Langzeitarbeitslose in gemeinnützigen Organisationen und Gemeinden geförderte Arbeitsplätze finden sollen. Der Sozialminister verwies darauf, dass 79 Prozent aus dieser Gruppe sozial gefährdet seien und daher entsprechende Maßnahmen ergriffen werden müssten.

Grafik zur Armutsgefährdung

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/Statistik Austria

„Materielle Deprivation“ zurückgegangen

Als erfreulich hervorgehoben wurde bei der Präsentation, dass in Österreich die „materielle Deprivation“ besonders stark zurückgegangen ist. So waren 2016 zwar 23 Prozent nicht imstande, unerwartete Ausgaben zu tätigen, 2008 aber noch 29 Prozent. Noch stärker ist die Verbesserung, was die Möglichkeit eines Urlaubs angeht. 2008 verneinten 28 Prozent diese Möglichkeit, 2016 waren es nur noch 15 Prozent.

Laut der EU-weiten Erhebung ist Tschechien das Land, in dem das Risiko zu verarmen am geringsten ist. An zweiter und dritter Stelle sind Schweden und die Niederlande. Während Österreich gleichauf mit Frankreich auf Rang sechs rangiert, ist die Armutsgefährdung in Griechenland, Rumänien und Bulgarien am höchsten. Dort sind zwischen knapp 36 (Griechenland) und gut 41 Prozent (Bulgarien) von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen.

Caritas fordert einheitliche Mindestsicherung

„Auch wenn sich in Österreich die Situation leicht entspannt, dürfen wir uns jetzt keinesfalls zurücklehnen“, so Caritas-Präsident Michael Landau. Er forderte erneut eine einheitliche Regelung der Mindestsicherung. Die bedarfsorientierte Mindestsicherung schütze vor einem Abrutschen in absolute Armut. „Neun Länder, neun Strategien: Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein“, so Landau in einer Aussendung. Die Arbeiterkammer forderte indes als Reaktion auf die jüngsten Zahlen mehr Kinderbetreuungsplätze im Kampf gegen die Armut.

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