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Starparade und bunter Musikmix

Drei Acts konnten heuer beim Amadeus Award besonders reüssieren: Bilderbuch als beste Band und als Live-Act des Jahres, Julian Le Play wurde für das Album des Jahres („Zugvögel“) und als Künstler des Jahres ausgezeichnet und Pizzera & Jaus lieferten den Song des Jahres („Jedermann“) und waren gleichzeitig Pop/Rock-Act des Jahres.

Voodoo Jürgens, der insgesamt in fünf Kategorien nominiert und damit gemeinsam mit Le Play Favorit des Abends war, konnte sich schließlich nur in der Kategorie „Alternative“ durchsetzen. Als bester Electronic/Dance-Act wurde die Gruppe Mynth ausgezeichnet. Bei „Hard & Heavy“ fiel die Wahl auf die Band Serenity, die Sparte „Hip Hop/Urban“ sicherte sich Rapper Nazar, der hier zuletzt 2015 erfolgreich war. Die Trophäe für „Jazz/World/Blues“ holte sich Ernst Molden ab.

Der FM4-Award ging an die Trip-Hop-Band Leyya. Für sein Lebenswerk wurde Willi Resetarits ausgezeichnet. Im „Schlager“-Geschäft führte wiederum kein Weg an DJ Ötzi & Nik P. vorbei, und in der Sparte „Volksmusik“ durfte sich Andreas Gabalier freuen.

Die Gala, die Stars

Donnerstagabend wurden die Preise verliehen. Bilderbuch erhielten zwei Auszeichnungen, genau wie Julian Le Play.

Ein Stromschlag zur Eröffnung

Eröffnet wurde der Abend gleich mit dem Maximum möglicher Energie: Bilderbuch brachten das Publikum in Wallung, auf einer in knalliges Rot und ebensolches Blau getauchten Bühne. Candy! Extra für den besonderen Abend mit einem Gitarrensolo, das Van Halen zur Ehre gereicht hätte (eine Woche, nachdem er seine erste Gitarre bekommen hatte).

Bilderbuch bei den Amadeus Music Awards

APA/Hans Punz

Bilderbuch, die Band des Jahres

Beim Song des Jahres setzten sich Pizzera & Jaus mit „Jedermann“ unter anderem gegen Voodoo Jürgens und Le Play durch. Pizzera & Jaus waren nicht da, ließen sich aber in einer Videozuspielung von Michael Niavarani zwei von dessen Romys in die Hand drücken, als Ersatz für den Amadeus.

Le Play und seine Eltern

Conchita, mehrfache Gewinnerin des Amadeus, verlieh den Preis für das Album des Jahres an Le Play. Leer gingen in dieser Kategorie Voodoo Jürgens, Gabalier, Rainhard Fendrich und die Seer aus. Le Play überzeugte mit „Zugvögel“. „Ich freu mich extrem“, sagte er. Artig bedankte er sich bei seinen Eltern, die sich sicher sehr gefreut haben.

Voodoo Jürgens holte sich den Award in der Kategorie „Alternative“ und hängte damit unter anderem Dawa ab. Er erzählt in seinen Songs, wie er sagte, Geschichten so, wie sie wirklich gewesen sind. Seine Pläne für die Zukunft? „Man schaut hoit, wie die nächste Scheibn wird.“ Er lauschte seiner Videoeinspielung im Publikum sitzend – und sah dabei richtig schüchtern aus, ganz untypisch.

Gabalier, vertreten von Manuel Rubey

Weil der nicht anwesend war, verkleidete sich Rubey als Gabalier. Er fühlte sich in seiner Krachledernen gleich ganz testosteronschwanger. An Gabalier ging der Preis in der Kategorie „Volksmusik“.

Den FM4-Award holten Leyya und ließen damit Voodoo Jürgens, Granada, Mavi Phoenix und Kimyan Law links liegen. Leyya gaben auch gleich eine Kostprobe ihres Könnens ab und freuten sich über den Preis mit den Worten: „Es ist schon ganz toll.“ Und bedankten sich bei den Eltern.

Bilderbuch sind die Band des Jahres, ebenfalls werden hätten es können: Pizzera & Jaus, Wanda, Seiler und Speer und das Nockalm Quintett. „Danke, danke an die Fans“, sagte Maurice Ernst und: „Bis zum nächsten Mal.“ Mynth wurden für ihre elektronische Musik ausgezeichnet, ebenfalls nominiert waren unter anderem Ogris Debris und Waldeck.

Kein Amadeus für Amy Macdonald

Dann noch ein echter Promi auf der Bühne: James Blunt, allerdings nur als Showact. Das Publikum schien konzentriert zuzuhören und bedankte sich mit höflichem Applaus. Macdonald, die bereits einen Song zum Besten gegeben hatte, fühlte sich geehrt, Le Play den Award als Künstler des Jahres zu überreichen, was wiederum eigentlich eine große Ehre für Le Play war. Macdonald sagte, dass auch alle anderen Nominierten, Gabalier, Lemo und Voodoo Jürgens großartig seien. Ob sie Gabalier kennt? Le Play, wieder überaus höflich, bedankte sich. Diesmal nicht bei den Eltern, sondern seinem Team.

Julian Le Play bei den Amadeus Music Awards

APA/Hans Punz

Julian Le Play im Freudentaumel

Kunst machen aus dem Outcast-Dasein

Nicht für „Besonders wertvolles österreichisches Liedgut contra die Verblödung“, was er auch verdient hätte, sondern in der Kategorie „Jazz/Blues/World“ wurde Molden geehrt. Er bezeichnete den Preis als „Irrtum“, weil seiner Meinung nach eigentlich Karl Ratzer und Co. gewürdigt werden hätten sollen. Berührend war dann auch die Würdigung Moldens für seinen Freund Resetarits. Der hat sein Outcast-Dasein, aus der subversiven Kraft, die diese Position verleiht, zu Kunst gemacht. Der solchermaßen geehrte wetterte dann noch gegen „Konservenmusik“. Ein besseres Forum dafür hätte er sich nicht aussuchen können.

Bilderbuch setzten sich unter anderem gegen die Seer und Wanda als bester Live-Act durch. Ob die drei jemals gemeinsam auftreten werden? Bilderbuch jedenfalls freuten sich angemessen. Ernst freute sich besonders, gegen Gabalier gewonnen zu haben. Und: „Wir geben unser Bestes, live zu spielen.“ Das nimmt man ihnen sofort ab. Kategorie „Pop/Rock“: Nominiert waren unter anderen Christina Stürmer, schon wieder Le Play, Lemo. Den Preis holten jedoch Pizzera & Jaus. „Unfassbar“, freuten sich die beiden und kündigten ein neues Album für den Herbst an.

Christina Stürmer? „Fuck, ja!“

Und wer wurde Künstlerin des Jahres? Conchita war nominiert, Avec, Stürmer, Hannah, Zoe und Mavi Phoenix. Blunt überreichte den Preis – wenig überraschend – an Frau Stürmer, eine alte Amadeus-Häsin. Die freute sich wieder einmal aufrichtig. Ob sie „ein Leben lang“ Amadeus-Awards mit nach Hause nehmen wird? Ist der Preis für sie überhaupt noch etwas Besonderes? „Fuck, ja!“ Sie bedankte sich bei allen, die hinter ihr stehen. Das war in dem Moment allerdings nur Blunt.

Christina Stürmer bei den Amadeus Music Awards

APA/Hans Punz

Christina Stürmer im Glück

Nominiert waren noch: das Nockalm Quintett, Hannah, Nik P., die Seer, DJ Ötzi und Nik. P gemeinsam. Letztere wurden als bester Schlager-Act geehrt. Nik. P: „Wir freuen uns riesig, dass wir endlich einen österreichischen Preis in der Hand halten.“ Im Gegensatz zum Grammy? DJ Ötzi bedankte sich beim Publikum: „Die machen ihr Herz auf!“ Vielleicht war er zuvor vor einem Kardiologenkongress aufgetreten.

Ein Moment der Innigkeit

Für eine zweite Runde ungewöhnlichen Tiefgangs sorgte dann als Showact Voodoo Jürgens mit seinem wunderschönen „Tulln“. Ein Kindheits- und Jugendsong, der mit der Heimat- und Liebesseligkeit vieler der anderen dargebotenen Songs so gar nichts gemein hat. Da werden „Meuberln“ geraucht, auf die Bushaltestelle geschlatzt. „Daham fliegen die Fetzen“, in der Schule wurde er getreten, und dann noch der Vater „im Häfn“. Immerhin, im Stadtbad unter der Rutsche konnte man sich „die Kantn geben“. Ein kurzer Moment der Ehrlichkeit, der Innigkeit.

Voodoo Jürgens bei den Amadeus Music Awards

APA/Hans Punz

Voodoo Jürgens, ganz in seinem Element

Dann die Kategorie „Hip Hop“, ein Homerun für Nazar. Der hatte zuvor im Amadeus-Interview schon Pop und Schlager gedisst. Er freute sich nicht nur über den Preis, sondern auch über sein stets buntes Publikum. Unbezahlbar ist für ihn, dass er mittlerweile gut von seinem Traumjob leben kann. Mit Trump und Strache will er nicht verglichen werden, alles andere ist ihm egal, sogar im selben Atemzug wie Bushido dürfe man ihn nennen.

Car-Pool-Caraoke zu Falco-Klängen

Durch den Abend führte neben Amadeus-Veteran Rubey FM4-Moderatorin und Dancing-Stars-Publikumsliebling Riem Higazi. Als Neuerung im flott choreografierten Showablauf wurden mit den Gewinnern vorbereitete Car-Pool-Caraoke-Videos zu Falco-Klängen mit den Nominierten gezeigt und eine muskalische Variante des ORF-Wahlmobils. Der ORF kehrte nach zehn Jahren wieder als multimediale Plattform des Amadeus Awards zurück.

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