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Niedrige Kosten ausschlaggebend

Die norwegische Regierung bietet Elektroautobesitzern Steuervorteile, die Länder wie Österreich nur schwer nachahmen können. Das E-Modell ist in Norwegen in allen Autoklassen die günstigste Variante. Selbst Menschen, die von Umweltschutz und Klimawandel nichts halten, bevorzugen daher das E-Modell. Die Anzahl der E-Autos hat sich in den vergangenen Jahren in Ballungsräumen stark erhöht.

Elektroautos sind mit EK- bzw. EL-Kennzeichen ausgestattet. Das ermöglicht es, sie leichter zu erkennen, wenn sie etwa eine Autobahnmautstation passieren, denn E-Auto-Besitzer sind von der Maut befreit. Außerdem war es ihnen bisher erlaubt, auf der Busspur zu fahren. Auch Parksheriffs erleichterten die speziellen Kennzeichen die Arbeit, bis heuer durften E-Auto-Besitzer in den norwegischen Kommunen nämlich gratis parken - ein Vorteil, den die Regierung allerdings nach und nach zurückfährt.

Gratisparken und Fahren auf der Busspur

Seit heuer müssen Städte und Gemeinden selbst entscheiden, ob sie den Parkvorteil beibehalten. Oslo hat sich für eine Gratisparkzeit von zwei Stunden entschieden, in Trondheim hebt die Stadt seit heuer wieder die übliche Parkgebühr ein. Auch das Fahren auf der Busspur wurde eingeschränkt und ist nur noch erlaubt, wenn mehr als zwei Personen in einem E-Auto sitzen.

Elektroauto in Norwegen

ORF.at/OE1/Raffaela Schaidreiter

E-Autofahrer genießen viele Vorteile wie Gratisparken und Gratisstrom

Transportminister Ketil Solvig-Olsen verteidigt diese Schritte gegenüber Ö1. Die Zahl an E-Autos habe so stark zugenommen, dass sie teils die Busspur verstopfen und sich Busse dadurch verspäten würden. Deshalb habe die Regierung handeln müssen. Es könne nicht sein, dass E-Auto-Besitzer mehr Vorteile genießen und günstiger fahren würden als Bürger, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, so der Transportminister.

Den Steuervorteil für Besitzer von E-Autos will Solvig-Olsen aber noch mindestens drei Jahre weiterführen. Darauf drängt auch der größte E-Mobilitätsverband Norwegens, ELBIL. Denn die Norweger seien nicht umweltfreundlicher als andere, sagt Petter Haugneland von ELBIL. Der Kaufpreis sei ausschlaggebend dafür, dass sich seine Mitbürger zunehmend für ein Elektromodell entscheiden.

Steuervorteile als Kaufargument

Wer sich für ein E-Auto entscheidet, muss keine Mehrwertsteuer (25 Prozent des Kaufpreises) zahlen. Zudem entfällt die Registriersteuer, die der österreichischen NOVA ähnelt und in Norwegen seit den 1960er Jahren sehr hoch ist. Sie wird nach Gewicht und Emissionen des Autos berechnet und kann etwa für einen Diesel-SUV das Dreifache des Kaufpreises betragen. E-Auto-Besitzer sparen sich zudem die jährliche Autosteuer von rund 400 Euro. Diese Steuervorteile führen dazu, dass Elektromodelle in allen Autoklassen als am günstigsten gelten.

Elektroauto in Norwegen

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E-Autos sind mit EK- bzw. EL-Kennzeichen ausgestattet

Das sei der Hauptgrund, warum Norwegen zum Mekka der E-Autos geworden sei, sind sich Wissenschaftler und Mobilitätsverbände sicher. Solvig-Olsen erinnert sich, dass seine Vorgängerregierung mit dieser Steuerinitiative 50.000 E-Autos auf die Straße bringen wollte, und zwar bis 2017. Tatsächlich sind mit 110.000 heuer bereits mehr als doppelt so viele E-Autos in Norwegen unterwegs. Daher hat laut Solvig-Olsen die aktuelle Regierung diese Steuervorteile um drei Jahre verlängert.

Größeres Vertrauen in E-Autos

Dem Steuertopf würden wegen dieser Steuerbefreiung jährlich bis zu 400 Millionen Euro entgehen, rechnet Solvig-Olsen vor. Ein reiches Land wie Norwegen könne sich das zwar leisten, allerdings würden in absehbarer Zeit auch diese Steuervorteile fallen. Vor einigen Jahren seien E-Autos noch unkomfortabel und unattraktiv gewesen, so der Transportminister, die Regierung habe daher nur mit Steuervorteilen Käufer locken können.

Aktuell sei diese Förderung noch notwendig, um das Vertrauen in E-Autos zu stärken. Wenn Autobauer E-Autos in ein paar Jahren günstiger herstellen können und die Batterien höhere Reichweiten bieten, würden Bürger automatisch E-Autos wählen, und die Steuervorteile brauche es nicht mehr, ist sich Solvig-Olsen sicher.

Elektroautos in Norwegen

ORF.at/OE1/Raffaela Schaidreiter

Bereits 110.000 Pkws sind elektrisch unterwegs

Ein Autohändler in der Kleinstadt Asker, wo bereits jeder zweite Pkw elektrisch fährt, sagt, dass auch die Wartungskosten für E-Autos nur rund ein Viertel dieser Kosten für Benzin- und Dieselautos betragen würden. Zusätzlich sei Strom für das Laden der Autos in Norwegen günstig. Eine Kilowattstunde kostet rund zehn Cent, in Österreich zahlen Konsumenten rund das Doppelte.

Kein Verbot von Verbrennungsmotoren

Medial war Norwegen im Vorjahr weltweit in den Schlagzeilen geraten, als das Land ankündigte, ab 2025 neue Verbrennungsmotoren verbieten zu wollen. Davon sehe die Regierung jetzt ab, sagt Solvig-Olsen. Ein Verbot wäre nicht zielführend. Es gebe immer wieder Menschen, die unbedingt ein Dieselauto mit Allrad brauchen würden, weil sie weit abgelegen in den Bergen wohnen. Es wäre mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, diese Ausnahmen zu berücksichtigen.

Der Fokus in Richtung E-Mobilität werde die norwegische Wirtschaft verändern, ist Solvig-Olsen überzeugt. Im Land des Öls gelte das auch für Tankstellen. Diese würden ihren Gewinn ohnehin hauptsächlich mit dem Verkauf von Kaffee und Weckerln verdienen, so der Transportminister. Das Geschäft könnten sie behalten, nur müssten sie sich künftig als Energietankstelle begreifen und eher Strom anbieten als Sprit.

Tankstation

ORF.at/OE1/Raffaela Schaidreiter

Oslo: Parkplätze mit Ladestationen

Dass sich gerade Norwegen als reiches Ölland gegen diesen Treibstoff stellt, ist für Solvig-Olsen kein Widerspruch. Norwegen müsse so wie andere Länder Treibhausgase wie CO2 einsparen. Nachdem das Land seine Energie hauptsächlich aus Wasserkraft gewinne, müsse im Verkehrs- und Transportsektor gehandelt werden. Ziel sei, dass 98 Prozent aller Pkws in Norwegen mit Strom fahren, so Solvig-Olsen. Aktuell sind es vier Prozent. In Österreich fahren zum Vergleich 0,2 Prozent der Autos elektrisch.

Vorbild schwer nachahmbar

Skeptisch zeigt sich der Wissenschaftler Erik Figenbaum, dass andere Länder dem norwegischen Weg folgen könnten. So sei etwa die 4.000-Euro-Prämie für E-Autos in Österreich zwar ein Anfang. Der Preisunterschied zwischen Diesel- und E-Modell sei aber zu gering und der Anreiz, sich für das Elektroauto zu entscheiden, daher zu klein.

Da in Norwegen Dieselautos seit den 1960er Jahren extrem hoch besteuert werden, könne das Land einen eklatanten Preisunterschied erreichen, vor allem wenn die Steuer für E-Autos entfällt. Die Ergebnisse würden zeigen, dass der niedrigere Preis das Hauptargument sei, auf E-Autos umzusteigen, erst danach komme das Gratisfahren auf der Autobahn. Vorteile wie gratis zu parken und auf der Busspur zu fahren würden nur E-Auto-Besitzern in der Stadt zugutekommen und gelten für potenzielle Käufer daher als vernachlässigbare Anreize.

Nur eine Frage der Planung

Auch Nachteile durch Batterieaufladen und geringere Reichweiten sind für Figenbaum vernachlässigbar. Die Erfahrung in Norwegen zeige, dass alles eine Sache der Gewohnheit und der Planung sei. E-Auto-Besitzer müssten sich in Norwegen auf kalte Winter einstellen, die Batterie reiche nur halb so lange, für manche Modelle sogar unter 100 Kilometer. Diese Umstände würden die Norweger offenbar nicht davon abhalten, auf Elektroautos zu setzen.

Radiohinweis

Ein Beitrag zum Thema ist im Ö1-Wirtschaftsmagazin „Saldo“ zu hören - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Eine ELBIL-Umfrage zeigt, dass 90 Prozent der Besitzer eines E-Autos einen eigenen Parkplatz am Wohnort haben, wo sie Strom laden können. Städte wie Oslo bieten zusätzliche Anreize, so ist nahe dem Hafen im Zentrum der Stadt ein Parkplatz nur für E-Autos reserviert. 80 Ladestationen bieten Strom gratis an. Vor allem Pendler würden dieses Angebot annehmen.

Und es gebe Bemühungen, Ladestationen flächendeckend auszubauen, sagt Haugneland von ELBIL. In wenigen Monaten sollen Schnellladestationen auf allen Hauptstraßen Norwegens vorhanden sein. E-Auto-Besitzer können dann alle 50 Kilometer Strom laden. Zufriedene Kunden seien eben die beste Werbung, und er kenne niemanden, der von Strom wieder auf Diesel oder Benzin gewechselt hätte, so Haugneland.

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