Korruptionskrise um Brasiliens Präsidenten spitzt sich zu

Einem Bericht zufolge wird Brasiliens Präsident Michel Temer durch Tonbandaufnahmen des Versuchs überführt, einen Mitwisser in einem Korruptionsskandal zum Schweigen zu bringen. Die linke Arbeiterpartei forderte deshalb Temers sofortigen Rücktritt und Neuwahlen, eine Kongresssitzung wurde nach Bekanntwerden der Nachricht gestern Abend in der Hauptstadt Brasilia abgebrochen.

Brasiliens Präsident Michel Temer

APA/AP/Eraldo Peres

Dort war von einer politischen „Bombe“ die Rede. Nach einem Bericht des Portals O Globo geht es um ein Treffen zwischen Temer und Unternehmern, gegen deren Fleischkonzern JBS ermittelt wird. Temer soll grünes Licht gegeben haben, den inhaftierten früheren Parlamentspräsidenten Eduardo Cunha mit einer Geldzahlung zum Schweigen zu bringen.

Aufnahmen eines Geldkoffers

Der bestens vernetzte Cunha war früher ein Verbündeter Temers und droht auszupacken. Später wurde laut O Globo der Abgeordnete Rodrigo Rocha Loures von Temers Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) dabei gefilmt, wie er einen Geldkoffer mit 500.000 Reais (146.000 Euro) entgegennahm. Das Geld soll von dem an dem Gespräch mit Temer beteiligten Unternehmer Joesley Batista stammen, hieß es.

Dieser soll aber das Gespräch mit Temer aufgezeichnet haben - Batista machte nun entsprechende Aussagen bei der Generalstaatsanwaltschaft. Cunha hatte für Temer das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff auf den Weg gebracht, war dann über in der Schweiz aufgetauchte Millionenkonten gestolpert und fühlt sich von Temer heute im Stich gelassen. Vergangenen Herbst wurde Cunha verhaftet.